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Hellenisches Erbe ward uns zum Gewinnstc:Akanthus blüht', es wuchs der Säulenbaum,
Die Charis weihte sich dem Tempeldicnste.
Es wurde wirklich mancher schöne Traum:
Der Dorer Ernst, der Jonicr heitres StrebenErfüllten, ncuerweckt, den fremden Raum.
Das Herz des nordischen Marmors fühlte BebenBeim Kuß der Kunst, und ihrem Arm entwandSich manch Gebild von promctheischcm Leben.
Wenn auch die Hoffnung von Neu-Hcllas schwand.Das Alte wurde glücklicher gegründet,
Und fand bei dir ein neues Vaterland.
Der Schönheit hast die Wahrheit du verbündet.
Und bautest manches Salomonische Haus,
Das farbenprächtig Gottes Ruhm verkündet.
Ihm dientest du, dem Grunde jedes Bau's!
Du knietest gleich des Volkes letztem Kinde,
Trug man den Herrn im Sacramcnt heraus.
Drum siel auf deines Hauptes PurpurbindeEin Kranz von Gottes wahrer Majestät,
Die dich umraufcht' im Sturm- und Lenzeswinde.
Mit Segcnsfülle wuchs was du gesät,
Was du gegründet, wird so bald nicht stürzen,
Was du geschaffen, dauern wird es spät!
Du ließest dir den Königsmantel schürzenVon keiner Hand! Als dir den HcrrscherstabDer Zeiten kecke Hippe wollte kürzen.
Warfst du ihn hin, und stiegest frei herab.
Dem Dämon wolltest du dich nicht verschreiben.
Der Schein und Trug stets für das Echte gab.
Der Jahre Spreu sahst du int Sturme treiben pEin Weiser, konntest du auch ohne ThronUnd ohne Reich ein ganzer König bleiben.
Um deine ölgczweigumwund'ne Krön'
In aller Zeit wird sich kein Dunkel breiten.
Und ungeschmälert bleibt dein Ruhmeslohn.
Erzählt man einst von alten Herrlichkeiten,
Von Frohsinn, Frieden, Glück und Lust, so sprichtMan kurz: „Das war zu König Ludwig's Zeiten!"
Zu lange währt auf Erden Schönes nicht.
Die gokd'ne Zeit wich längst gemischtem Erze,
Das bald zu Eisen wird, das weniger bricht.
Lebt wohl ihr Musen, Grazien und Scherze,
Ihr holden Künste lasset enern Tanz,
Den Neigen führt die Klage mit dem Schmerze!