Ausgabe 
28 (6.9.1868) 36
 
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Du aber, Genius des Vaterlands

Mag sich daran des Tages Kleinheit stoßen

Sag' mir, wie nennst du künftig wahr und ganz.

Wie nennst du ihn, den Herrlichen und Großen?

Johannes Schrstt.

Auch eine Crimirml-Geschichte.

(Fortsetzung.)

V.

Am Orte der That.

Schon längst hatten sich die Herren wiederum im Saale des grünen BaumcS ein-gefunden und harrten mit steigender Ungeduld der Wiederkehr des Untersuchungs-RichterS,der noch immer bei dem Herrn von Freikamst und in dessen Stube weilte.

Nur kurze Zeit hatte es bedurft, um die neue wichtige und so überraschende Kundr,daß der Verbrecher der Schwiegersohn des Herrn Barons sei, in der Stadt zu verbreiten,die dann auch nicht verfehlte, allerwärts das größte und gerechteste Aufsehen zu erregen»

Der Kaffee war längst getrunken, und immer näher rückte der große Zeiger deralten Schloßnhr auf Zwölf, während der kleine schon bei Drei angelangt zu sein schien,also die Stunde verkündend, welche die Pforten des Hauses des Verbrechers öffnen, denSchleier vollends von der entsetzlichen That ziehen würde wie man dachte.

Endlich schlug es drei, und nach den letzten Glockcntöncn klangen die Schritte deSso sehnlichst Erwarteten auf der Treppe, und wenige Minmen später setzte sich der nichtkleine Zug, unter Vorantritt der Hauptpersonen, in Bewegung nach dem Laibcl-Wall-brun'schen Hanse.

Die ganze Stadt war in fieberhafter Aufregung; in den Häusern weilten wohl nurnoch die Kranken und die Säuglinge, alle übrigen Personen waren auf den Beinen undin den Gasten, hauptsächlich aber in der Gaste, in der das verrufene Haus, welches ei»so entsetzliches Geheimniß barg, lag.

In besagter Gaste angekommen, hatte der Herr Untcrsuchungs-Richtcr größte Mührmit seinem Gefolge von Zeugen und andern zur Untersuchung und Feststellung derThatbestandes' nothwendigen Personen der unnöthigcn und überflüssigen gar nicht zirgedenken^durchzukommen. Als er dies endlich fertig gebracht und glücklich vor demHause angelangt war, erhob sich ein anderes, viel schwieriger zu beseitigendes Hinderniß,denn sämmtliche Vorstünde der städtischen Behörden schienen ein Anrecht auf den Eintrittin das Haus beanspruchen zu wollen. Doch hier verstand der Beamte keinen Spaß.Die Sache war ernst und wichtig genug, um energisch auftreten zu dürfen, etwaige bloßeNeugierde, und werde sie selbst von der wichtigsten Person des Ortes geäußert, ge-bührend zurückzuweisen.

Das Haus, welches Laibcl-Wallbrun bewohnt hatte, war eines der älteren Gebäudcder Stadt, noch aus dem siebenzchnten Jahrhundert stammend. Es hatte zwei Stock-werke, und hohe bewohnbare Mansarden; ein großes Thor, im Hause selbst befindlich,bildete den Eingang.

Heubach , der Schlostcrmeistcr, erhielt die Weisung, das Thorim Namen deSGesetzes" zu öffnen, und sofort machte sich der eifrige Gevatter an's Werk. Nur wenigeAugenblicke bedurfte es, und die in dem Thore befindliche kleine Einngagsthüre bewegtesich knarrend in ihren alten Angeln.

Geöffnet lag die unheimliche Wohnung da, und die Glücklichen, welche Blicke durchdie kleine Pforte in das Innere senden konnten, schauten geraden Weges auf den Hosund den alten Ziehbrunnen, der sich dort erhob. Das war ein Murmeln, Flüstern undDrängen, daß der Herr Richter kaum Ordnung zu haften vermochte.