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Die schwarze Johannisbeere.
Dieser Beerenstrauch wird in Deutschland bei weitem nicht so häufig kultivirt, alser es verdient. In vielen Gegenden ist er gar nicht bekannt, oder ganz aus den GärtenVerschwunden, und es dürfte deßhalb nicht überflüssig sein, die Aufmerksamkeit wieder aufdenselben hinzulenken. Vor Allem muß erwähnt werden, daß er eine äußerst genügsamePflanze ist, die mit jedem Boden und mit jeder Lage vorlieb nimmt, wenig oder garkeiner Cultur bedarf, und doch alle Jahre reichlichen Ertrag liefert. Die reisen Früchtewerden von vielen Personen sehr gerne roh genossen, — während sie von andern ihreseigenthümlichen, fast wanzenartigen Geruchs willen gemieden werden. Sie besitzen nichtunbedeutende mcdicinischc Kräfte, und sind deßhalb von Jenen, — die sie näher kennen,allgemein hoch geschätzt. Sie gelten für magenstärkend, sollen die Verdauung fördernund wirken, selbst in kleinen Portionen genommen, wohlthätig auf die Urin- und Stuhl-Entleerung ein. Wegen ihrer Harn- und schweißtreibenden Kräfte werden sie auch alsMittel gegen die Wassersucht empfohlen, wobei indeß hauptsächlich das Kraut als Theeangewendet wird. Als Volksmittel gegen die Gicht genießen sie eine gewisse Berühmt-heit. Zu diesem Behufe werden die jungen Knospen oder Blätter grün oder getrocknetzu Thee benutzt, den man Morgens im Bette trinkt und darauf den Schweiß abwartet.Läßt man 8 Theile Honig mit 5 Maßthcilc Wasser bis auf '/< einkochen, thut alsdann3 Theile zerdrückte Beeren hinzu und läßt beides gährcn, so hat mau einen angenehmenGichtbccrmcth, wovon Morgens und Abends eine Tasse voll oft schon eine hartnäckigeGicht vertrieben.
Die Blätter können zum Gelbfärbcn der Liqneurc, die Knospen und Beeren dazubenutzt werden, um dem Wein einen MuScateller-Gcschmack zu ertheilen. In Frankreich wird dieser Strauch in der ausgedehntesten Weise cultivirt, indem aus den Beeren einsehr beliebter Ligucur bereitet wird, der einen ausgedehnten Handels-Gegenstand bildet.Der Hauptsitz dieser Cultur ist die Gegend von Dijon . Dieser Ligucur unter demNamen lliciuviir ck« (.'asills bekannt, hat einen sehr angenehmen Geschmack, und gilt fürsehr gesund. Mischt man unter den Saft der rothen Johannisbeere '/,» der schwarzen,und bereitet daraus in der gewöhnlichen Weise (unter Zusatz von Zucker und Wasser)durch Gährung einen Wein, so kann man denselben, — wenn er älter wird, nicht vonächtem Portwein unterscheiden. — Die jungen Blätter werden frisch zum Ansetzen desMaiweins mit andern Pflanzen, als Waldmeister, Melisse, Gundelrebe und Erdbecr-blüthe gebraucht, doch dürfen sie nur in ganz kleinen Quantitäten genommen werden,damit ihr Geruch nicht vorschmeckt.
Frankfurter Schotelicdchen.
(Aus der New-Dorker Zeitung.)
Jetzt unsere ModcpöpperchcrMit Zwickelcher und Häckelcher,Und ausgeschnittene Jäckelcher,
Was trage doch für Nöckercher
Was windisch wie die Fähnercher!
Was ausgestopfte Becncrchcr!
Was himmelhohe Nesterchcr!
Was Schmink und Schönheitspflästcrcher.
Und hinne hängt e KisselcheDas wackelt stets e BisselchcUnd rund herum Volantcrcher,
Das macht's noch viel pikanterchcr,
Was trage sie für Stieselcher,
So eng, 's wird einem übelcher,Mit Wade wie Slreichhölzercher,So geh'n sie wie aus Stelzercher.
Voll Gittcrchcr nnd FlittercherMit ausgeschnitt'ne Miederchcr,
Sie trage falsche Zöppercher
Und Straßen-Kchruugs-Schleppercher.
Wie trage Mvdepöpperchcr
Jetzt gar so hoch die Köppcrcher,
Verkrüppelt ihre Leibercher
Und das nennt man jetzt Weibercher.
Druck, Verlag und Redaction des Literarijckcn Jnst'luts von I)r. M. Huttlcr,