Ausgabe 
(18.9.1828) 225
 
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London , den y. Sept.

Von Petersburg ist die Nachricht eingegangen, daß die russische Regierung über die Usur/pätion des Don Miguel förmlich ihre Mißbilligung ausgesprochen, und sich bestimmtest ent-schlossen hat, auf der Anerkennung der Rechte Don Pedros an die Krone von Portugal zu be-harren. Der päpstliche Nuntius soll Lissabon verlassen. Man glaub: allgemein zu Ma-deira , daß, wenn die anwesenden Truppen gesonnen seyen, die Insel zu vertheidigen, es eineUnmöglichkeit sey, daß sie eingenommen werde. Die Hilfe, welche von England geschicktwerden soll, war am 10. August noch nicht angekommen. Am 28. Julius erschienen 2 por-tugiesische Briggs auf der Höhe von Funchal . Das englische Schiff Medina, das den eng-lischen Konsul än Bord hatte, gicng ihnen entgegen, und nachdem es von dem portugiesi-schen Kommandanten erfahren harre, daß er die Insel blockire» wolle, so erklärte der Ka-pitän der Medina, daß er die Vertheidigung der englischen Flagge zu übernehmen die Ver-pflichtung habe. Die Portugiesen kündigten hierauf an, daß sie kci» englisches Schiff anhal-ten werden, bis ödn Großbrittannien die Blockade anerkannt sey. Die portugiesischen Kon-stitutionellen. welche sich zu Portsmonth befinden, werden binnen Kurzem auf den, für sie aus-gerüsteten, Schiffen Minerva. Susan, Lyra und Delphine nach Brasilien abgehen. Es heißtnun allgemein, daß eine Uebereinkunfr zwischen den Grafen von Ofalia und Aberdeen über dieForderungen brittischer Unterthanen zu Stande gekommen sey, die die spanische Regierung mit900,000 St. in Terminen, innerhalb 6 Monaten, vom 1. Okt. d. I. an, abtragen soll. Indem bekannten Amphitheater von Astley in London debütirte neulich ein Elephant; es ward beygedrängt vollem Hause ,,Blaubart", als Melodrama gegeben. Nach dem Stück sollte der Ele-phant in dem vor der Bühne befindlichen Circus seine Gcschicklichkeit zeigen , doch kaum hatteman ihn hineingeführt, so gebehrdeteer sich, wahrscheinlich erschreckt durch die große Men-schenmasse, so äußerst widerspenstig, daß seine Führer momentan alle Gewalt über ihn verloren.Auf die ihn umringenden Zuschauer zustürzend, war es ihm bereits gelungen, beyde Vorderfüßeüber die den Circus umschließende Barriere zu bringen. Das Geschrey der Frauen war schreck-lich; Alles drängte sich den Ausgangen zu, und es entstand eine unbeschreibliche allgemeine Ver-wirrung. Mehrere Dame» wurden durch des Elephanten Rüsicl leicht verletzt, eine aber so schwer,daß sie gleich zu einem benachbarten WMndarzt gebracht und zur Ader gelassen werden mußte.Mit großerSchwierigkeirgelang esendlich, des großen Ruhestörers Herr zu werden, und ihnausdem Circus zu führen. Das gleich darauf gemachte Anerbieten der Eigner, ihn wieder heraus;»führen, damit er seine Kunststücke mache, ward, aller Versicherung ungeachtet, daß nichts mehr zubefürchte» wäre, mit dem allgemeinen Geschrey : Nein! Nein ! zurückgewiesen, worauf er dannauf der Bühne erschien, und dort, mit der allergrößten Ruhe mehrere Beweise seiner Geschicklich-keit ablegte. Lissabon , den 27. Aug.

Der Konstitutionell meldet:Man behauptet, Don Miguel habe an alle Kabinete eineeigenhändige Zuschrift, folgenden wesentlichen Inhalts, erlaßen: Er sey in Portugal mitderAbsicht angekommen, den Institutionen seines Bruders Don Pedro gemäß zu regieren, aberdurch die Wünsche des portugiesischen Volks, das ihn von allen Seiten zum König ausgerufen,hingerissen worden. Da er diesen Titel nicht hätte usurpiren wollen, so habe er die drey Standedes Königreichs zusammen gerufen , damit sie den Grundgesetzen des Staats gemäß entschei-den , ob diese Rechte gegründet seyen. Nach ihrer einstimmigen bejahenden Entscheidung seyer gezwungen gewesen, die ihm angebotene Krone gegen seinen Willen anzunehmen. Der Auf-stand von Oporto habe nur dazu gedient, durch den auffallendsten Sieg die ihm von den Kor-kes ertheilten Rechte zu unterstützen. Er hoffe daher auch, daß die Souveraine sein Betra-gen billigen würden, da es nicht von ihm abgehangen hatte, den Wünschen der Nation zu wi-derstehen. Man glaubt, dieser Brief sey dem Wesen nach in Spanien entworfen , und miteinigen Modifikationen dann hier geschrieben worden. Don Miguel und seine Mutter solle»,och einige Stellen haben beyfügen »vollen, aber auf den Rath einiger ihrer Freunde davon ab-gestanden seyn." - Madrid , den 5. Sept.

Dem König sind Vorstellungen über die Gefahr der Neuerung, eine höchste Junta zu er-dichten, wobey nach früheren Nachrichten Hervas, Marquis d'Almenara und Burgos sich auder Spitze befunden haben würden, gemacht worden, »vorauf der König das in dieser Bezie-hung früher erlassene Dekret zurück genommen habe.

Toulon , den 2. Sept.

Die zweyte Ausrüstung unter dein Befehle des Generals Schneider, und bestehend ausZ Linienrcgimeutern, ist heute Früh um Z Uhr unter Segel gegangen. Eine unbeschreiblicheMenge Volks von hier und der Uingegend haue sich auf die Höhen begeben, von welchen die