Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
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Gedanken über die Herrnhuter.

uru Ilttll»! ulisvl-ru I» m»»i» Il^iiriiü ^jücl»l!>tti !U>IUU ü^UiUüi» »ll<>ui-t!l!^i» i» Iwv liiullom loco cunlirmitri i>!lli!»mi»i.

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17 5N.°)

!^ie Siege geben dem Kriege den Aufschlag: sie sind aber sehr zwey,dcutigc Beweise der gerechten Sache: oder vielmehr sie sind gar keine.

Die gelehrten Streitigkeiten sind eben sowol eine Art von Kriegen,nlS die kleinen ZuzuS eine Art von Hunden sind- Was liegt daran,ob man über ein Reich oder über eine Meynung streitet; ob der StreitBlut oder Dinte kostet? Genug man streitet.

Und also wird auch hier der, welcher Recht behalt, und der, wel-cher Recht behalten sollte, nur selten einerley Person seyn.

Tausend kleine Umstände können den Sieg bald auf diese, baldauf jene Seite lenken. Wie viele würden aus der Rolle der HeldenauSzustrcichcn seyn, wenn die Wirkung von solchen kleinen Umständen,das Glück iiemlich, seinen Antheil von ihren bewundernswürdigenThaten zurücknehmen wollte?

Laßt den und jenen großen Gelehrten in einem ander» Iahrhuudcrtc gcbohren werden, benehmt ihm die und jene Hülfsmittel, sich zuzeigen, gebt ihm andre Gegner, sczt ihn in ein ander Land; und ichzweifle, ob er derjenige bleiben würde, für den man ihn jctzo halt.Bleibt er es nicht, so hat ihn das Glück groß gemacht.

Ein Sieg, den man über Feinde davon trägt, welche sich nichtvertheidigen können oder nicht wollen, welche sich ohne Gegenwehr ge-fangen nehmen oder ermorden lassen, welche, wann sie eine» Gege»-strcich führen, aus Mattigkeit durch ihren eigenen Hieb zn Bodenfalle», wie ist so ein Sieg zu nennen? Man mag ihn nennen, wieman will; so viel weiß ich, daß er kein Sieg ist, ausser etwa bey de-nen, die, wenn sie siegen sollen, ohne zu kämpfen siege» müssen.

°) G. E. Lcssings theologisch«' Nachlas, (von Karl Xcssiug hcrausgcgcbc»), Berlin 1784, S. 255,