Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
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Gedanken über die Hcrrnhutcr.

Ach! eure Wissenschaft ist noch der Weisheit Kindheit,Der Klugen Zeitvertreib, ein Trost der stolzen Blindheit!Gesezt, alle seine Ermahnungen und Lehren zielten auf das einzige,was uns ein glückliches Leben verschaffen kann, auf die Tugend. Erlehrte uns, des Reichthums entbehren, ja ihn fliehen. Er lehrteuns, unerbittlich gegen uns selbst, nachsehend gegen andre seyn. Erlehrte uns, das Verdienst, auch wenn cS mit Unglück und Schmachüberhäuft ist, hochachten und gegen die mächtige Dummheit vertheidi-gen. Er lehrte uns, die Stimme der Natur in unsern Herzenlebendig empfinden. Er lehrte uns, Gott nicht nur glauben, sondernwas das vornehmste ist, lieben. Er lehrte uns endlich, dem Tode un-erschrocken unter die Augen gehen, und durch einen willigen Abtrittvon diesem Schauplätze beweisen, daß man überzeugt sey, die Weisheitwürde uns die Maske nicht ablegen heisscn, wenn wir nnscrc Rollenicht geendigt hätten. Man bilde sich übrigens ein, dieser Mann be-säße nichts von aller der Kenntniß, die desto weniger nüzt, je prahlen-der sie ist. Er wäre weder in den Geschichten, noch in den Sprachenerfahren. Er kenne die Schönheiten und Wunder der Natur nichtweiter, als in soferne sie die sichersten Beweise von ihrem großenSchöpfer sind. Er habe alles das unerforscht gelassen, wovon er, beyThoren zwar mit weniger Ehre, allein mit desto mehr Befriedigungseiner selbst, sagen kann- ich weiß es nicht, ich kann es nicht ein-sehen. Gleichwol mache dieser Mann Anspruch auf den Titel einesWeltweiscn. Gleichwol wäre er so beherzt, ihn auch Leuten abzu-streiten, welchen öffentliche Aemter das Recht dieses blendenden Bey-nahmens gegeben haben. Wenn er es nun gar, indem er in allenGesellschaften der falschen Weisheit die Larve abriß, dahin brächte, daßihre Hörsäle, ich will nicht sagen leer, doch minder voll würden; ichbitte euch, meine Freunde, was würden unsere Philosophen mit diesemManne anfangen? Würden sie sagen: Wir haben gcirret? Ja, er hatRecht. Man muß keinen Philosophen kennen, wenn man glaubt, ersey fähig zu widerrufen.

Hu! würde ein stolzer Algebraist murmeln, ihr mein Freund einPhilosoph? Laßt einmal sehen. Ihr versteht doch wohl einen hyperbo-lischen Afterkegel zu cnbiren? Oder nein Könnet ihr eineExponential-Größe diffcrcnlircn? ES ist eine Kleinigkeit; hernach wol-len wir unsre Kräfte in was größern versuchen. Ihr schüttelt denKopf? Nicht? Nun da haben wirS. Bald wollte ich wettcn, ihr wißtnicht einmal, was eine Irrational.Größe ist? Und werft euch zu einemPhilosoph auf? O Verwegenheit! o Zeit! o Barbarcy!