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Ucbcr die ölpistikcr.
I. Anlithcsis.
1. Wider Heumann, daß die Clpistikcr keine Christen gewesen.
a) Bruckers Gründe, aus dem Namen der Philosophen, der ihnenvom Plutarch beigelegt wird.Unzulänglichkeit dieses GrundeS.i) Meine Gedanken.
a) Die Hoffnung des zukünftigen Lebens war kein unterscheidendesKennzeichen deS Christenthums.
1. Ohne diese Hoffnung kann keine Religion gedacht werden.Warburton würde hinzusetzen, ohne diese Hoffnung kann nichteinmal ein Staat menschlicher Einrichtung bestehen.
2. Außer daß diese Hoffnung in der gemeinen Religion der Hei'den nickt fehlen konnte, war sie das Hauptwerk ihrer geheimen.Alle ihre Mysterien liefen anf sie hinaus. (S. Diog. I^i''it.lit,. VI. p. m. 319. Die Antwort des AntistheneS, eins, invila Diogenis, s>. m. 334.)
, 3. Hätte sie aber auch schon der heidnischen Religion gemangelt,so war sie doch in den Schulen der Philosophen viel zu bekanntlind angenommen, als daß sie den Heiden an den Christen ctwasUnerhörtes oder Lächerliches hätte seyn können.
b) Will man aber nnter dieser Hoffnung gar ungezwcifclte Ge-wißheit versteh,?, in der nur ein Christ von seiner künftige» Se-ligkeit seyn kann: so sage ich, daß diese unter die geheimenLehren des Christenthums gehörte, und aus diesem Grunde derAnlaß zu einer allgemeinen Benennung der Christen unmöglichseyn konnte.
2. Wider Bruckern, daß die Elpisiiker nicht die Stoiker seyn kön-nen. Denn
1) die Stoiker waren nicht die einzigen Philosophen, welche dieHoffnung eines künftigen Lebens annahmen. Dieses bekenntVrucker selbst; aber er sagt, sie wären diejenigen, welche dasmeiste Gerede davon machten.
2) Doch auch das waren sie nicht, und bloße Stellen aus demSeneca können dieses nicht beweisen. Die übrigen Stoiker allereden weit seltner davon und Epiktet zum Exempel fast gar nicht.S. I>i-,sii pliz^iol. Sloicorum, lili. III. r>. 17<1. Auch Alltoni-»us reder niemals anders als zweifelhaft davon. Siehe lil,. IV.p. wo Gatakcr auch den Wankelmut!) des Seneca hierinzeigt, und sehr richtig anmerkt, daß alle die Stellen, wo Seneca positiv davon redet, nicht aus seiner Ueberzeugung, sondern ans