Ueber die elpistiker.
send, und man wird darum nicht mehr gewinnen, Denn entwederman muß den Heiden alle Religion absprechen, oder man muß zugeben,daß sie ein künftiges Leben, eine künftige Belohnung und Straft ge-glaubt haben. Ohne diesen Glauben kann keine Religion besteh»;Warburto» würde hinzusetzen: selbst keine bürgerliche Gesellschaft, keinStaat kann ohne ihn bcstehn. Dieser Gelehrte hat mir die Mühe er-spart, eine schon an sich so unwidersvrechliche Sache durch Zeugnissezu beweisen. Man lese das zweite Buch des ersten Theils seiner gött-lichen Sendung Mosis; man blättere in den ersten den besten altenSchriftstellern, und überall werden die deutlichsten Spuren von derUnsterblichkeit der Seele, von ihrer Glückseligkeit oder Unglückseligkcitnach dem Tode auch in das fluchtigste Ange fallen.
Wem aber diese Spuren, mit so abgeschmackten Fabeln vermischt,daß J»ve»al(°) sie zu seiner Zeit nur noch kaum von Knaben, «zui„ouilum aei-s lavgntur, geglaubt sahe, zu unwerth, zu elend scheinen,als daß sich den Heiden eine Hoffnung der Zukunft daraus zuschreibenließe, die den Namen einer gegründeten Hoffnung nur einigermaßenverdiene: der erinnere sich, daß außer der öffentlichen Religion sieauch noch ihre geheimere hatten, deren hauptsächlichster Gegenstand einhöherer und zuverlässiger Grad dieser Hoffnung war. I^iliil meliusiliis w)'stei'iis, sagt Cicero ("), czuidus ex agresti immanic^ue vlla,cxeulli ac> Iiumimilateui et wiligati sumus: Imliaizue, ut appel-lanlur, ila i°e vera inmeipia vilao eogoovimus, neyus solum curnlüelilia viveuäi laliouern acoepimu8, secl etiam euin spe melioiemoiiencli. Man sehe da, worauf diese Geheimnisse abzielen; auf nichtsgeriugcrS als auf ein fröhliches Lebe» und auf einen hoffnungsvollenTod. Dieser bessern Hoffnung rühmten sich die Singeweihten auch»»gescheut und so zuversichtlich, daß sie die schwachen Seelen der Un-eingeweihten mit Angst und Schrecken erfüllten.
(°) Ssl, II. 148.
(") ve i.eßiDus, IU>. II. o»l>. 14. Wie ich diese Stelle anführe, sowird sie in allen Ausgabe» gelesen, die ich zu Natbe zicbcn tonnen. Dessen-ungeachtet scheinen mir die Worte: iiuliaiiue m »iipeUilnuir, it» re vor»prineipiit vUi,e lioxnovimu» eine verborgene Wunde zu haben, und ich ver-muthe, daß es eigentlicher geheißen: ini>i,i, ul nppeliiiiuur Usque ver-t ,„!».ci>,i» vi>se, c»k»ovi»i>is. Wcnigstctts ist diese Lesart dem Sinne gemäßer.Denn Cicero will nicht sowohl sage», daß die Geheimnisse der wirtliche Ansangdes Lebens, sondern vielmehr, daß sie der Anfang des wahren Lebens gewesen,welches er dem wilden rohen Leben des ungesiileten Wcltaltcrs entgegensetzt.