Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
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Über den Phäder.

Der Grieche läßt vor dieser Entschuldigung noch eine andre vorher-gehen; denn das Schaf sagt: ---ms «^o,,? z^^ro--, ^^^^rühre das Waffer ja nur mit äußersten Lippen, und alsdenn fährt

es erst fort: «>->,i>i; o°u »Ti^oi? c^?o? xarll. lind ist

es nicht auch sehr natürlich, daß dem Schafe jene Entschuldigungzuerst einfallen mußte?v. !). Repu!1ll5 ille veiitatis viriliiis.Das ist zu gut für den Wolf. Was geht dem Wolf die Wahrheitan? Er will das Schaf bloß in die Verlegenheit setzen, daß es nichtszu antworten weis. Der Grieche sagt daher viel schöner: ««^or-ux'^ 1^? «lVl«?, da er mit diesem Norwandc nicht

fortkam.

2. Fabel.

Die Fabel an sich ist gut erzehlt. Aber die Gelegenheit, die Phä-der dazu erdichtet, ist nichts weniger als passend. Die Frosche wolltendurchaus einen König haben; das wollten die Athenicnser nicht. DieFrösche klagten, als sie das Klotz zum Könige bekommen hatten, nichtdaß sie einen König bekommen hätten, sondern, daß sie einen so un-wirksamen, unthätigen König erhalten hätten :c.

Im Griechischen ist die Gelegenheit nicht, bey welcher sie AesopuS soll erzehlt haben; und auch Fontaine hat sie weggelassen. Aber wel-cher läppische Einfall von dem letztern, dem Klotz eine Schulter, einGesicht zu geben!

8ims olor n'o IongtLM8 regarilor au vilaAe

eelui Le.

^ugyu'ü tauler tur I'e^aule <Iu ko!.Nach der Application des Phädrus liegt in dieser Fabel weiter nichtsals das wiuimum (!e malis, welches Tanaauill Faber anch znr Auf-schrift gemacht hat. In der griechischen Fabel hingegen liegen zweyweit größere und kühne Wahrheiten. 1. die Thorheit überhaupt (derGrieche nennt es r^v -^^«v, eme ehrliche Dummheit; eine gutmci^nende Einfalt), einen König zu haben. 2. die Thorheit, nicht miteinem schläfrigen, unthätigen Könige zufrieden zu seyn; einen großen,anschlägischcn Kopf auf den Thron zu wünschen. < «va^o-c«^o^-s-X"" /Z-2<5lXk«, sie hielten es sich für eine Schande, füretwas, das mit ihrer Ehre stritte, einen solchen König zu haben.)

Von Ptsistrato siehe ^ult. 2. 8. 6.