Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
128
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Zum Laokoon.

XI. Folglich schildert die Poesie die Körper auch nur mit einemoder zwey Zügen. Schwierigkeit in der sich oft die Mahlerey befindetdiese Züge auszumahlen. Unterschied der poetischen Gemählde, wo sichdiese Züge leicht und gut ausmahlen laßen, und wo nicht. Jenes sinddie Homerischen Gemählde, dieses die Miltonschen und Klopstockschen.

XII. Vermuthung daß die Blindheit des Milton auf seine Artzu schildern einen Einfluß gehabt. Beweis z. E. aus der sichtbarenDunkelheit.

XIII. Die crsie Veranlassung war indeß der orientalische Styl.MoscS Vermuthung; aus dem Mangel der Mahlerey. Daß das nichtschön seyn muß, was biblisch ist. Wenn der Grammatiker eine schlechteSprache in der Bibel finden kann; so darf der Kunstrichtcr auchschlechte Bilder darin» finden. Der h. Geist hat sich in beyden Fäl-len nach dem leidenden Subjecte gerichtet; und wann die Offenbarungin den nordischen Ländern geschehen wäre, so würde sie in einem ganzandern Style und unter ganz andern Bildern geschehen seyn.

XIV. Homer hat nur wenige Miltonsche Bilder. Sie frappircn,aber sie ab-trahircn nicht. Und eben deswegen bleibt Homer der größteMahler. Er hat sich icdeS Bild ganz und nett gedacht. Und selbstauch in der Ordnung ein mahlerisches Auge gezeigt. Anmerkung überdie Gruppen, die sich bey ihm nie über drey Personen erstrecken.

XV. Von den collectiven Handlungen, als welche der Poesie undMahlerey gemein sind.

Dritter Abschnitt.

I. AuS dem Unterschiede der natürlichen und willkührlichcn Zci-chcn. Die Zeichen der Mahlerey sind nicht alle natürlich; und dienatürlichen Kennzeichen willkührlichcr Dinge können nicht so natür-lich seyn, als die natürlichen Kennzeichen natürlicher Dinge. ES istauch noch sonst viel Convention darunter. Eremvcl von der Wolke.

II. Sie hören auf natürliche zu sevn, durch Veränderung der Di-mensionen. Nothwendigkeit des Mahler», sich der Lebensgröße zu be-dienen. Abfall der Kunst in den erhabnen Landschaften. Schwin-del kann die Poesie, aber nicht die Mahlerey erwecken.

III. Die Zeichen der Poesie nicht lediglich willkührlich. IhreWorte als Töne betrachtet können keine Gegenstände natürlich nachah-men. Welches bekannt. Aber ihre Worte als unter sich verschiednerStellen fähig, können dadurch die verschiednc Reihen der Dinge aufeinander und neben einander schildern. Exempel hiervon- Auch sogar