Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
127
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Zum Laokoon.

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V. I» dem Raume und in der Zeit. Folglich jene Körper, unddiese Bewegungen. Jene Bewegungen andeutungsweise durch Kör-per. Diese Körper andeutungsweise durch Bewegungen. Ausdrück-liche Schilderungen von Körpern sind daher der Poesie versagt. Undwann sie es thut, so thut sie es nicht als nachahmende Kunst/ son-dern als Mittel der Erklärung. So wie die Mahlerey nicht nachah-mende Kunst, sondern ein bloßes Mittel der Erklärung ist/ wann sieverschiedne Zeiten auf einem Raume vorstellet.

VI. Schönheit insbesondere ist kein Vorwurf der Poesie, sondernder eigentliche aller bildenden Künste. Homer hat die Helena nichtgeschildert. Aber die allen Mahler haben sich jeden seiner Fingerzeigeauf die Schönheit zu Nutze gemacht. Des Zeuxis Helena.

VII. Von der Häßlichkeit. Vertheidigung des Thcrsites, in einemGedichte. Verwerffung desselben in der Mahlerey. Caylus hatteRecht ihn auszulaßen; la Motte nicht. Einführung des Thersites in dieEpigoniade. NircuS war nicht der schönste unter den Griechen. Daher istClarkS Anmerkung falsch, in den Briefen der Litteratur. s^VII, S.

(ZW. Vom Eckel. Die Discordia beym Petron.)

VIII. Schönheit der mahlerische Werth der Körper. Folglich kom-men wir hier von selbst auf die Regel der Alten, daß der Ausdruckder Schönheit untergeordnet seyn müße. Ideal der Schönheit in derMahlerey hat vielleicht das Ideal der moralischen Vollkommenheit inder Poesie veranlaßt. Da man dafür auf ein Ideal in den Handlun-gen denken sollen. Das Ideal der Handlungen bestehet 4, in der Ver-kürzung der Zeit 2, in der Erhöhung der Triebfedern/ und Ausschlie-ßung des Zufalls 3, in der Erregung der Leidenschaften.

IX. Leblose Schönheiten um so mehr dem Dichter versagt zuschildern. Verdammung der Thomsonschen Mahlerey. Von den Land-schaftSmahlern; ob es ein Ideal in der Schönheit der Landschaften gebe.Wird verneinet. Daher der geringere Werth der LandschaftSmahler.Die Griechen und Italiäner haben keine. Beweis aus dem umgekehr-ten Pferde des Pausanias, daß sie auch nicht einmal untergeordneteLandschaften gemahlt. Vermuthung daß die ganze perspektivische Mah-lerey aus der Scenenmahlerey entstanden.

X. Die Poesie schildert Körper nur andeutungsweise durch Be-wegungen. Kunststück der Dichter, sichtliche Eigenschaften in Bewe-gungen aufzulösen. Erempel von der Höhe eines Baumes. Von derGröße einer Schlange. Von der Bewegung in der Mahlerey. Warumsie Menschen und keine Thiere darinn empfinden.

(Von der Schnelligkeit.)