Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
126
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Zum Laokoon.

VI. Ein CayluS hat dcn Dichtern mehr Gerechtigkeit wicderfahrenlassen. Er bekennt cS, daß die Künstler den Dichtern viel zu dankenhabe»/ und noch mehr zu danken haben können. Seine Gemählde deckHomers . Einwnrff wider die zusammenhangende Folge derselbe»/ ausden unsichtbaren Scenen des Dichters.

VII. Mißdeutung, welcher die Rangordnung »nterworffcn, die Cay-luS unter den Dichtern nach der Menge ihrer Gemählde machen will.Er hat nicht unterschieden, was bey dem Dichter ein Gemählde, undwas für dcn Mahler brauchbar ist. Er nimt nur immer dieses; undjenes bleibt immer weg, wornach die Rangordnung doch nur einziggeschehen müßte. Beweise aus dem vierten Buche der Jliadc.

VIII. Ursache, warum das Gemählde des Dichters nur selten einGemählde des Mahlers werden kann. Jener mahlt fortschreitendeHandlungen, und dieser für sich bestehende Wesen. Exempel wieHomer diese Wesen in Handlungen zu verwandeln weis.

IX. Beantwortung der Einwürfe wider das Homerische Schild,aus diesem Gesichtspunkte. Der Dichter wählet das aus, was derKünstler intendirct hat, »nd läßt sich nicht in die Schranken der ma-teriellen Kunst einschließen.

Zweyter Abschnitt.

I. WinkclmannS Geschichte der Kunst ist indeß erschienen. Lobderselben. Wie er das Alter des Laocoon angegeben. Er hat nichtden geringsten historischen Grund für sich; er urtheilet bloß aus derKunst. Plinius scheinet da, wo er des Laocoon gedenkt, von lauterneueren Künstlern zu reden. Widerlegung der Maffcischcn Meinung,die Winkelmann nicht ganz zu Schanden machen wollen; und warum.

II. Beweis aus dem -^otk-, und ^o^o-r, daß der Laocoon keinso altes Werk ist. Umständliche Erklärung einzelner Stellen des Plinius.

III. Ist er indeß nicht aus der Zeit, in welche ihn Winkelmannsetzt; so verdient er es doch daraus zu seyn, und das ist geling füreine Kunstgeschichte, die unsern Geschmack bilden soll. Ucbrigens hatsich Winkelmattn wegen der Ruhe des Laocoon näher erklart, und erist meiner Meinung, daß die Schönheit diese Ruhe veranlaßt habe.

IV. Sein Ausspruch, daß die neueren Dichter jenseit den Altenmehr Bilder haben, und weniger Bilder geben. Commcntar über dieseWorte zu wünschen. Woher der Unterschied der poetischen und mate-riellen Bilder entspringe. Aus der Verschiedenheit der Zeichen, derensich die Mahlerey nnd Poesie bedienen. Jene im Raume und natürlich;diese in der Zeit nnd willkührlich.