Zum Laokocn.
daraus? Daß die Probe unrecht ist; und daß es allerdings poetischeGemählde giebt, die sich nur schlecht mahlen lassen.
Der Kunstrichter muß nicht bloß das Vermögen, er muß vornehm-lich die Bestimmung der Kunst vor Augen haben. Nicht alles, wasdie Kunst vermag, soll sie vermögen. Nur daher, weil wir diesenGrundsatz vergeßen, sind unsere Künste weitläuftiger und schwerer,aber auch von desto wenigerer Wirkung geworden.
vvlervaüons tiii- I'llalio lom. II. p. An dem Tage desh. Rochus haben die Mahler zu Venedig die öffentliche Aussetzung ihrerGemählde cl-ms la Keuo/a cli 8. kocli. theile 8cuola, I'urie liespremieres 6e Veni'so, est remplio <Ze fujets iln 1°. de la mai»<le l'iuloret, itv la ^ranile loiee ile c.o I^laltre. .Is k»8 5in-
^ulivrement s>a^ip6 cle celui czui rejiie5enlo I'^nnoncialiov. I^emur «zui sei-me la cllamlii-e lle la Viei'xo llu eo>6 6<z la osmpg^rio,L'veroule, et I'ange onlre lle plein vol par la liieelie.
Dieser Einfall ist vortrefflich. Da der Mahler das geistige We-sen deS Engels nicht ausdrücken konnte, welches alle Körper, ohne siezu zerstören, durchdringen kann, so drückt er seine Macht aus. AmEnde erweckt es auch die nehmliche Idee, daß nehmlich ein solchesWesen von nichts ausgeschlossen, von nichts abgehalten wird, eS magnun durch seine Geistigkcit oder dnrch seine Macht seyn.
plimus lili. 35. cap. vom Arcllius: klaZitio insigni coi-i'u-p!t artem, I)ea» pingens, lecl Dileclarum imagioe. Er portrai-tirtc sie, anstatt sie nach dem Ideale zu mahlen. Das nehmliche ha-ben verschiedene neuere Mahler mit der h. Jungfrau gethan, z. E.Carl Maratti, welcher das Vorbild dazu von seiner Frau nahm.
Beym jünger» Burmann in der Anthologie (p. 90) findet sichein Epigramm auf den Laocoon, in welchem ihm die Zeile
Iline lolepalle seiuot lueva venena vlrumwegen des toleralle verdächtig ist. Wenn dieses Epigramm, wie esscheinet, auf die Statue gemacht ist, so hätte er nicht nöthig dasWlerallo zu verändern; sondern der Dichter könnte damit zugleich mitauf die Geduld gesehen haben, mit welcher Laocoon in selbiger seinLeiden erträgt.
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