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11 (1839)
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Zum Laokoon.

Wissenschaften so unentbehrlich machen, das; ihre Kunst den Werth ei-ner primitiven Kunst gänzlich dadurch verlieret.

Der Ausdruck körperlicher Schönheit ist die Bestimmung derMahlerey.

Die höchste körperliche Schönheit also ihre höchste Bestimmung.

Die höchste körperliche Schönheit existirct nur in dem Menschen,und auch nur in diesem vermöge des Ideals.

Dieses Ideal findet bey den Thieren schon weniger, in der vege-tabilischen und leblosen Natur aber gar nicht Statt.

Dieses ist es, was dem Blumen- und LandschastSmahler seinenRang anweiset.

Er ahmet Schönheiten nach, die keines AdealS fähig sind; er ar-beitet also bloß mit dem Auge und mit der Hand; und das Genie hatan seinem Werke wenig oder gar keinen Antheil.

Doch ziehe ich noch immer den LandschastSmahler demjenigen Hi-storienmahler vor, der ohne seine Hauptabsicht auf die Schönheit zurichten, nur Klumpen Personen mahlt, um seine Geschicklichkcit indem bloßen Ausdrucke, und nicht in dem der Schönheit untergeordne-ten Ausdrucke, zu zeigen.

Die Aehnlichkcit und Uebereinstimmung der Poesie und Mahlereyist oft genug berührt und ausgeführt worden; aber, wie mich dünket,nie mit derjenigen Genauigkeit, die allen Übeln Einflüßcn auf die eineoder auf die andere hätte vorbauen können.

Diese Übeln Einflüße haben sich in der Poesie durch die Schilde-rungssuchl, und in der Mahlerey durch die Allegoristcrey geäußert;indem man jene zu einem redenden Gemählde machen wollen, ohneeigentlich zu wißen, was sie mahlen könne, und solle; und diese zueinem stummen Gedichte, ohne überlegt zu haben, in welchem Maaßesie deutliche Begriffe') erregen könne, ohne sich von Ihrer eigentli-chen Bestimmung zu entfernen und zu einer willkührlichcn Schriftartzu werden.

Außer diesen Verleitungen der Dichter und Künstler selbst, habendie seichten Parallelen der Poesie und Mahlerey auch den CriticuS öfterszu ungegründcteii Urtheilen verführet, wenn er in den Werken des

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°) Allgemeine; den» dcullich sind alle Begriffe der Malcrcy. MosesMendelssohn auf dem Rande der Handschrist.

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