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er aber das in keiner uns sinnlich zu machenden Zeitfslge hatte erzch-len könne», was vor der Zeit geschahe, Z. E. wenn er den Allmächti-ge» (V. V. 004) zu seinen Engeln sagen läßt:
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Ilira Iiavo anoinIeiZ, wuom z^e vo^v Iieliolcl
^t mz^ riglit Iisnd; ^our desä I I»!m gpvoiat.Heute mag hier immer heißen von Ewigkeit; Gott hatte den Sohnvo» Ewigkeit gezeugt; gut: aber dieser Sohn war doch nicht von Ewig-keit das was er seyn sollte, oder er ward wenigstens nicht dafür er-kannt. Es gab eine Zeit, da die Engel nichts von ihm wußten, da sieihn nicht zur Rechten des Vaters sahen, da er noch nicht für ihrenHerrn erklärt war. Und das ist nach unserer Orthodoxie falsch. Willman sagen, Gott hatte bis dahin die Engel in der Unwissenheit vonden Geheimnissen seiner Dreyeinigkeit gelassen: so würden eine Mengeabgeschmackte und unverdauliche Dinge daraus folgen. Die wahreEntschuldigung des Milton ist diese, daß er nothwendig diesen Fehlerbegehen mußte, daß dieser Fehler auf keine Weise auszuweichen ist,wenn er das nach einer uns verständlichen Zeitfolge crzehlen will, wasin keiner solchen Zcitfolge geschehen ist. Soll die Ursache des Fallesder bösen Engel ihre Bcneidnng der höhcrn Würde des Sohnes sevn,so muß man sich vorstellen, daß diese Beneidung eben so von Ewigkeiterfolgt, als die Geburt des Sohnes:c. Allein ich denke überhaupt,daß Milton eine bessere Ursache hätte erdenken sollen, als diese, welchenicht in der Schrift, sondern nur bloß in den Vorstellungen einigerKirchenväter gegründet ist.
IV.
Die eigentliche Bestimmung einer schönen Kunst kann nur daSje-nige sevn, was sie ohne Beyhülfe einer andern hervorzubringen imStande ist. Dieses ist bcv der Mahlerey die körperliche Schönheit-
Um körperliche Schönheiten von mehr als einer Art zusammen-bringe» zu können, fiel man auf das Historicniiialen.
Der Ausdruck, die Vorstellung der Historie, war nicht die letzteAbsicht des Mahlers. Die Historie war bloß ein Mittel, seine letzteAbsicht, mannichfaltige Schönheit, zu erreichen.
Die neuen Mahler machen offenbar das Mittel zur Absicht. Siemahlen Historie, um Historie zu mahlen, und bedenken nicht, daß siedadurch ihre Knnst nur zu einer Hülfe andrer Künste und Wissen-schaften machen, oder wenigstens sich die Hülfe der andern Künste und