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11 (1839)
Entstehung
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Zum Laokoon.

Auch die Schönheit der Form hat Milton, »ach des HomersManier, nicht sowohl nach ihren Bestandtheile»/ als nach ihren Wir-kungen geschildert. Man sehe die Stelle der Wirkung/ welche dieSchönheit der Eva auf den Satan selbst hat. Look IX. 4öS 466.

II. Auch an solchen Gemählden/ die wirklich von der Mahlereybehandelt werden können/ ist Milton weit reicher/ als ihn CavluZ undWinkclmann glaubt; obschon RichardsoN/ der sie ausdrücklich aus-zeichnen wolle»/ in ihrer Wahl oft sehr unglücklich und unverständiggewesen ist. Z, E-

1. Richardson hält den Raphacl mit seinen drei) Paar Flügeln (li, V.277) süc einen schönen Gegenstand der Mahlerey; und cS istoffenbar, daß er eben dieser sechs Flügel wegen ein sehr untaugli-cher ist. Obschon das Bild aus dem JcsaiaS genommen, so ist esdoch darum nichts mahlerischer. Die Gestalt des CherubimS ist ebenso unmahlerisch. XI. 129.

2. Desgleichen das Bild der aufrecht cinhcrgchcndcn Schlange- IZ. IX.496, welches wider alle Pondcration in der Mahlerey seyn würde;ob cS schon bey dem Dichter sehr gefällt.

Bon den nothwendigen Fehlern.

Dieses Kapitel der Aristotelischen Dichtkunst ist bisher noch amwenigsten commcntiret worden-

Ich nenne nothwendige Fehler solche, ohne welche vorzüglicheSchönheiten nicht seyn würden; denen man nicht anders, als mit Ver-lust dieser Schönheiten abhelffen kann-

So ist im Milton ein nothwendiger Fehler, der Gebrauch derSprache in allen, dem weiten Umfange, welcher Kenntnisse vorausseht,die Adam noch nicht haben konnte. ES ist wahr, Adam konnte so undso nicht reden, man kvunte mit ihm so und so nicht reden: aber laßtihn reden, wie er hätte reden müssen, so fällt zugleich das große vor-treffliche Bild weg, welches der Dichter seinen Lesern macht. Und cSist ohnstreitig die höhere Absicht des Dichters, die Phantasie seinerLeser mit schönen und großen Bildern zu füllen, als überall adäquatzu seyn. Z- E. IZ. V. 688. von den Fahnen und Standarten derEngel

Desgleichen gehören seine theologischen Fehler hierher; oder das-jenige was mit den genauern Begriffen, die wir uns von den Geheim-nissen der Religion zu machen haben, zu streiten scheinet, ohne welches