Zum Laokoon.
IV. Die Mahlerey kann in ihren cocristircnden Compositionen nureinen einzige» Augenblick der Handlung nutzen, und muß daher denprägnantesten wählen/ aus welchem das vorhergehende und folgendeam begreiflichsten wird.
Eben so kaun auch die Poesie in ihren fortschreitenden Nachah-mungen nur eine einzige Eigenschaft der Körper nutzen, und mußdaher diejenige wählen, welche das sinnlichste Bild des Körpers vonder Seite erweckt, von welcher er ihn braucht. °)
Hieraus fließt die Regel von der Einheit der mahlerischen Bey-wörter, und der Sparsamkeit in den Schilderungen körperlicher Ge-genstände. In dieser besteht die große Manier dcS Homers; nndder entgcgcngcsctztc Fehler ist die Schwachheit vieler neueren, beson-ders der Thompsonschen Dichter, die in einem Stücke mit demMahler wetteifern wollen, in welchem sie nothwendig von ihm über-wunden werden müßen.
Homer hat für Ein Ding nur Einen Zug. Ein Schiff ist ihmbald daS schwarze Schiff, bald daS hohle Schiff, bald das schnelleSchiff, höchstens das wohlberuderte schwarze Schiff. Weiter laßter sich in die Schilderung des Schiffes nicht ein. Aber wohl dasSchiffen, das Abfahren, das Anlanden des Schiffes macht er zueinem ausführlichen Gemählde, zu einem Gemählde, nuS welchem derMahler u. f. w.
VI.
Nach dem, was wir in nnscrn mündlichen Unterredungen ausge-macht haben, verbessere ich meiilc Eintheilung der Gegenstände derpoetischen und der eigentlichen Mahlerey folgcndergestalt.
ncr so crstaunlicheu Geschwindigkeit, daß wir alle diese Operationen zu glei-cher Zeit zu verrichte» glauben. Wenn uns daher alle einzelne Theile einesim Raume sich befindenden Gegenstandes durch willkübrlichc Zeiche» angcdeu-«t werde»; so wird uns die dritte Operativ», das Zusainincnhaltc» allerTheile, allzu bcschwchrlich. Wir müssen unsere Einbildimgskrafl allzusehr an-strenge», wenn sie so zertrennte Stücke In ei» raumcrfüllcndcs Ganze zusam-menfasse» solle». Mendelssohn .
°) Dcr Dichter suchet allzeit Handlung und Bcwcguttg zu vcrbüide»,daher er sich scltc» bev cincni Augenblicke dcr Zeit lange verweilet. Da ihmeine grössere Mannigfaltigkeit zu Diensten ist; so schränkt er sich nicht gernauf eine kleinere ei». Daher vermeidet er stehende Handlungen, wenn er siei» bewegliche verwandeln kun. Die folgenden wohl ausgcsuchtcn Bevspiclcpasse» auf diese Lehre vollkommen. Sie beweisen aber keine gänzliche Aus-schließung aller stehenden Handlungen. Mendelssohn .