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Kollcktaneen zur Literatur.
wieder nach Hamburg begaben, wo sie von ihren Interessen und gele-gentlichen Geschäften, als Diskontiren, lebten. Peter ist schon seiteinigen Jahren todt, und muß von beiden Brüdern der fleißigste undwißbegierigste gewesen seyn. Er hat die ganze Bibel/ samt den apo-kryphtschcn Büchern in die portugiesische Sprache überseht, auf welcheer besondern Fleiß gewandt hat. Leute, die cS verstehen können/ versi-chern/ daß seine Uebersetzung sogar besser sey, als diejenige portugiesische,welche die Holländer zu Batavia in drei Oktavbändcn drucken lassen/und deren Verfasser Almeida heißt. ES versteht sich, daß Rameyernicht aus den Grundsprachen übersetzt hat, sondern auS den englischen,deutschen und holländischen Uebersetzungcn zugleich, so, wie ihm balddie eine, bald die andre, vorzüglicher schien. Aber auch Almeida hatnicht auS der Grundsprache übersetzt. Rameyer hat das eigenhändigeManuskript seines Bruders in drei Folianten binden lassen; und cSwürde immer eine Stelle in einer großen Bibliothek verdienen.
Wenn sie einmal gedruckt werden sollte, würde Raine yer indeßnicht der einzige Deutsche seyn, der einen Platz unter den portugiesi-schen Schriftstellern einnähme. Ein gewisser Heinrich AhlcrS, eingcborncr Hamburger, welcher gleichfalls als Kaufmann um eben dieZeit in Lissabon gewesen, hat eine kleine Abhandlung von den Ko-meten geschrieben, welche daselbst gedruckt ist. Nach den flüchtigenBlicken, die ich darein thun konnte/ zu urtheilen, muß AhlcrS einMann von guten astronomischen Kenntnissen gewesen seyn; cS wäredenn/ wie es mir fast aus einigen Citationen scheinen wollte/ daß erunsern Heine von Kometen ausgeschrieben und übersetzt hätte. Erdurfte nicht fürchten, daß man in Portugal sein Plagium so leichtentdecken würde. AhlerS dedicirte sein Werk dem Konige/ und weiler sonst in seinen Geschäften zurückgekommen war, ward er katholisch/in Hoffnung, durch den Hof sein Glück zu machen; aber er starb,ohne cS gemacht zu haben.
Rain eyer hat verschiedene geschriebene Sammlungen, in welchenviele merkwürdige Dinge befindlich sind. Ausser einer Menge portu-giesischer Gedichte/ auch einen in dieser Sprache geschriebene» Traktateines Juden, welcher nicht schlecht zu seyn scheint. Er hatte auchalle Sentenzen gesammelt, welche zu seiner Zeit wider die Juden ge-sprochen worden, die in den Auto'S da Fe waren verbrannt worden;desgleichen Nachrichten von andern, damals vorgefallene»/ Dingen;z. B- von den, Prozesse eines ettglische» HaiidluttgshauscS, Wingficldu. Compagnie, um 1722, wegen übcrwiesencr Ausfuhr des Goldes.ES war darauf, daß Wingfield gehangen werden sollte, wenn sich