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11 (1839)
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Kollektancen jiir Literatur.

R.

Rabbinen. Wenn die Rabbinen sogen, daß von verschiedenenAuslegungen einer undeutlichen Schriststelle die eine eben so wahr sey,wie die andre; so erklärt dieß Canz, wenn ich mich recht erinnere,in seiner Ontologie ganz falsch, daß sie also die einzigen wären, welcheden Satz, daß von zwei widersprechende» Dingen nur Eins wahr seynkönne, leugneten. Sie wollen weiter nichts sagen, als, daß man siealle beide könne gelten lassen, wenn sie nicht» enthalten, was ander»unleugbaren Wahrheiten zuwider ist. Jetzt finde ich, daß August ineben so dachte. Wenn er nämlich I.. XII. <7o?>/e^ seine Meinungvon der Erschaffung der Welt sagt, und auch anderer Meinungen an-führt, so setzt er hinzu: In Iiuo tliverlllalL leiilruliai-um veil»»m(verse euim lunl omnes, kjuia verum ciieunt. ell'i non omnes l'e-cunilum mi?olem I'crij>Il>ii8 ello j>vlluut) caucoxiiam ^aiialveiilas. Sollte für das letzte vcrilas nicht vielmehr vaiielas gele-sen werden? _

Raphacl. Von den in England und Frankreich befindlichenGemählden Raphael'S s. Winkeln, ann von Empf. d. Sei'- S. 2(1. In Spanien , im Eskurial, sind zwei Stücke von ihm, deren einseine Madonna ist. In Deutschland sind zwei Stücke: zu Wie»die heil. Katharina, und zu Dresden das Altarblait aus dem KlosterS- Sisto zu Piaccnza; aber dieses ist nicht von seiner besten Manier;und zum Unglück auf Lcincwand gemahlt, da seine andern Oclgcmähldeauf Holz sind. Daher hatte dasselbe bereits viel gelitten, als cS ausItalien ankam; und wenn cS auch von seiner Zeichnung einen Bcgrifgeben könnte, so bleibt doch derselbe mangelhaft in Ansehung seinesKolorits.

Ein vermeinter Raphacl, welchen der König von Preussen voreinigen Fahren in Rom für:;ooc> Skudi erstehen ließ, ist von keinemKunstverständigen allhier sin Rom ) für dessen Arbeit erkannt worden;daher auch kein schriftliches Zeugniß von der Richtigkeit desselben zuerhalten war. (Winkclm. cbcndas.)

Wie es zu verstehen sey, was de PilcS vom Raphacl »icldct,daß er zu der Zeit, als ihn der Tod übereilte, sich bestrebt habe, de»Marmor zu verlassen, und der Natur gänzlich nachzuahmen, s. beimWinkclmann, v. d. Nachahmung griech. Werke, S. tS-