Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
371
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Kollektanccn zur Literatur. 371

Religion, christliche. Widcr die vielen Werke, welche in neue-rer Zeit für dieselbe herausgekommen/ gilt es, daß sie nicht allein sehrschlecht beweisen, was sie beweisen sollen, sondern auch dem Geiste desChristenthums ganz entgegen sind, als dessen Wahrheit mehr empfun-den seyn will, als nncrkaiinti mehr gefühlt, als eingesehen.

Dieses zu erhärten, müßte man zeigen, daß die für die Religiongeschriebenen Werke der Kirchenvater nicht sowohl Behauptungen der-selben, als bloß Vertheidigungen gegen die Heiden gewesen sind. Siesuchten die Gründe gegen sie zu entkräften, aber nicht unmittelbarGründe für sie festzusetzen.

Meines BcdünkcnS war eS Grotius , der mit seiner Abhandlungvon der Wahrheit der christlichen Religion, welche 1«39 zuerst heraus-kam, den Weg eröffnete. Doch hatte er so bald noch keine Nachfolger.Einige vierzig Jahre später entstand erst unter den rcformirtcn Theo-logen ein Streit, ob auch die christliche Religion aus bloßen Gründender Vernunft erwiesen werden könne, oder ob sonst noch etwas hinzukommen müsse, um sie für wahr zu halten. Von diesem Streite s./5,«/,/l>t IliNilnII. 'l'Iieol. tlogm. 1^. l. c. 2. Z. 17. Die, welche derMeinung waren, daß die Vernunft hierin keine Genugthuung verschaffe,und uns von der Wahrheit der Religion nicht überzeugen könne, sindvornehmlich der RcchtSgclehrtc UlrikuS HubcruS, in s. Werke ,1«t »imuil» lialiniii« et 8eiii>I»i.ie; Joh. RcgittS, <I« I>lnllo ziorci-,>ic,isli 8. 8. rlivinüalem, I'Vane»?. 1<!86; WitsiuS ia DilV. kpil>.-><I Ulr. Iliil)ei',im; und Lcydeckcr.

Daß ein Pvilosoph sehr geschickt sey, in Streitigkeiten der Reli-gion zu entscheiden, deSfallS will ich mich nicht blos; darauf berufen,daß die ersten Christen in ihren Streitigkeiten mit den Ketzern heid-nische Philosophen zu Schiedsrichtern erwählten; nämlich die erstenChristen im dritten Jahrhunderte. Denn früher ist von dieser Gewohn-heit keine Spur. So disputirte z.B. OrigcucS widcr die Marcionitenund Valcntiniancr, unter dem SchicdSrichtcramtc dcS EutropiuS,cincS heidnischen Philosophen. Ein Beweis davon ist dcS OrigcucSDialo-^ l!onl,'!> »laicinnilgs, l'. ilv i'eela i» I)«?»m llile, den Joh.Rud. Meisten t«74 zu Basel zuerst griechisch und lateinisch heraus-gab. Desgleichen ArchclanS, Bischof z» Carra in Mesopotamien ,wider den MancS, unter Entscheidung vier heidnischer Philosophen.Von dieser Disputation sind noch Fragmente vorhanden, welche Fa-briciuS im zweiten Bande der Werke des HippolytuS wieder hatauflegen lassen.

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