HilkiaS.
Es ist schwer, daß auch die gleichsten Fußgänger einen langenWeg immer Hand in Hand zurücklegen können. Aber wenn die Rau-higkeit des Weges sie zwingt, ihre Hände fahren zu lassen, so könnensie doch immer einander mit Achtung und Freundschaft in den Augenbehalten, und immer bereit seyn, wenn ein bedenkliches Strauchelneinen gefahrlichen Fall drohet, einander zu Hülfe zu eilen.
Mit diesen Gesinnungen — die ich gegen jeden Freund der Wahr-heit habe, und von jedem Freunde der Wahrheit erwarte — wag' iches also, einige Gedanken niederzuschreiben, die eine bequemere Gelegen-heit, geprüft zu werden, schwerlich ermatten dürften.
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Der Abt streitet wider diejenigen, welche vorgeben, daß es Esragewesen sey, der die Bücher MossS aus unsicher» verstümmelten Tra-ditionen zusammen gesczt habe. (°) Er fordert sie auf, uns auch nurdie Möglichkeit zu erklären, „wie Esra das Volk, wie er die Priester„und Acltcsten bereden mögen, so blindlings von ihm ein Buch unter„MosiS Nahmen anzunehmen, dasselbe gleich als eine ächte Schrift„dieses ihres göttlichen Propheten zu verehren, cS von Stunde an dem„ächten fünften Buche, welches, wenigstens nach ihrem freygebigen„Geständnisse, von Most herkommen soll, an die Seite zu setzen und„als gleich wichtig in ein Volumen mit jenem aufzunehmen, auch öf-fentlich in ihren gottcsdienstlichcn Versammlungen zu lesen, wenn sie„vorher von einem solchen Buche nie etwas gehört hätten."
Er läßt sie zum Behuf ihres Vergebens sagen: „Da die Unwis-senheit des Volks in seiner Religion zu JosiaS Zeiten schon so groß„gewesen, daß kein Mensch mehr gewußt, ob noch das Gesetzbuch in„der Welt wäre, so sey cS so viele Zeit nachher, und durch die dazu„gekommene Gefangenschaft, dem Esra noch weit leichter gewesen, vor-„nemlich, wenn er die Acltestcn darinn auf seiner Seite gehabt, dic-„scm unwissenden und dummen Volke so viele Bücher unter MosiS„Nahmen in die Hände zu geben, als er selber nur gewollt habe."
Aber diesen Vorwand selbst entreißt er ihnen wiederum auf dietriumphircndstc Weise. „Ein neues Zeugniß, ruft er aus, wie diesen„Herren alles zu einem Beweist gut gcnung ist! Erstlich, fährt er fort,„ist cS die größte Unverschämtheit, aus der im 2. B- der Könige„Kap. XXIIl. beschriebenen Geschichte, von dem unter des Königes Jo-„siaS Regierung wiedergefundenen Gcsctzbuchc zu behaupten, daß da-„mals überhaupt kein ander Exemplar von dem Mosaischen Gesetze
(°) Erster Brief. S, 9.
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