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11 (1839)
Entstehung
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458
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Daß mehr als fünf Sinne seyn können.

gen mache»; Aussichten zeige», aber i» Gegenden, die oft des An-blicks kanni werth sind.

Und diese seine Vemerkungen, seine Spuren, seine Entdeckungen,seine Aussichten, seine Grille»; wenn er sie der Welt gleichwohl vor-lege» wollte, wie kvniite er sie besser nennen, als Hcrmäa? ES sindReichthümer, die ih» ein glücklicher Zufall auf dem Wege, öfter aufdem Schleichwege, als auf der Heerstraße finden lassen. Denn aufden Heerstraßen sind der Finder zu viel, und was man auf diesen fin-det, hatten gemeiniglich zehn andre vor uns schon gesunden, undschon wieder aus den Handen geworfen.

So viel von der Absicht dieses Werks, von seinem Verfasser »nddem räthsclhafte» Titel, der einen verliebten Roman verspricht undmit den Waiidcrschaftcn eines gelehrten LandstörzcS Wort halt.

Daß mehr als fünf Sinne für den Menschenseyn können. *)

t) Äie Seele ist ein einfaches Wesen, welches unendlicher Vorstel-lungen fähig ist.

2) Da sie aber ein endliches Wesen ist, so ist sie dieser unendli-chen Vorstellungen nicht auf einmal fähig, sondern erlangt sie nachund nach in einer unendlichen Folge von Zeit.

3) Wenn sie ihre Vorstellungen nach und nach erlangt, so mußes eine Ordnung geben, nach welcher, und ein Maß, in welchem siedieselbe erlangt.

4) Diese Ordnung und dieses Maß sind die Sinne.

6) Solcher Sinne hat sie gegenwärtig fünfe. Aber nichts kannuns bewegen zu glauben, daß sie Vorstellungen zu haben so fort mitdiesen fünf Sinnen angefangen habe.

6) Wenn die Natur nirgends einen Sprung thut, so wird auchdie Seele alle unteren Staffeln durchgegangen seyn, ehe sie auf diegekommen, auf welcher sie sich gegenwärtig befindet. Sie wird erstjeden dieser fünf Sinne einzeln, hierauf alle zehn Amben, alle zehnTcrncn und alle fünf Quaterncn derselben gehabt haben, ehe ihr allefünfe zusammen zu Theil geworden.

7) Dieses ist der Weg, den sie bereits gemacht, auf welchem ihrer

°) Lessmas Lebe» II, S. 102.