Neue Hypothese über die Evangelisienals blos menschliche Geschichtschreiber betrachtet.We-lfcnbiittcl 1778. -)
Vorrede.
Äieß sind die ersten Linien eines Werks, an welchem ich seit vielenJahren arbeite. Meine Absicht war freylich/ es nicht eher/ als ganzvollendet/ der Welt vorzulegen. Doch cS sind Umstände eingetreten,welche mich nöthigen, einen Vorschmack davon zu geben. "
Denn ich bin bey den Haaren dazu gezogen worden, mich übergewisse Dinge zu erklären, die mit gegenwärtiger Hypothese sehr ge-nau zusammenhängen. Wenn ich mich nun auch in dieser, oder in je-nen/ oder in beyden irren sollte: so wird man doch finden, daß ichnicht ohne Charte/ und daß ich nach einer und der nemlichen Chartegeirrt habe, die man für falscher auSschrcyct als sie bey sorgfältigenNachmessungen sich wohl finden möchte. — Den wahren Weg einschla-gen ist oft bloßes Glück: um den rechten Weg bekümmert zu seyngiebt allein Verdienst.
Da übrigens nur von einer Hypothese die Rede ist, und ich diehöhere Würde der Evangelisten weder bestreike noch läugne; diese hö-here Würde vielmehr bey meiner Hypothese selbst noch sehr wohl be-stehen kann, so werde ich hoffentlich nicht mehr Anstoß und Aerger-niß geben, als ich zu geben Willens bin.
Daß ich aber nur diejenigen GottcSgclchrten, deren Weist eben soreich an kalter kritischer Gelehrsamkeit, als frey von Vorurtheilcn ist, fürmeine Schöppcn und Richter erkennen; und auf daS Urtheil aller Ucbri-gc» dieses Standes, so vcrchrcnSwürdig sie mir aus andern Ursachenauch immer seyn mögen, nur wenig achten werde, versteht sich von selbst.
^)ie ersten Anhänger Christi waren lauter Juden, und hörten, nachdem Beyspiele Christi, als Juden zu leben nicht auf. <°) Ihnen ga-ben die übrigen Juden den Namen Nazarcncr/ worüber ich michblos auf Apostelgeschichte 24, 5. zu beziehen brauche.
(°) Denn wenn auch einige Iudciigenossc» danmler wäre», so waren esdoch sichcr nicht blos Zttdcngeiwsftn des Tkorcs, sondern Ittdc»>ienossm
°) Theologischer Nachlas, S, 45.