Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
515
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Gegen Mascho.

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nicht länger allein unter einem Dache wohnen wollte. Er lag mirunaufhörlich in den Ohren; und ich bekenne, daß ich-seinen Zurau-nungen nicht immer so viel entgegen zu setzen wußte, als ich ge-wünscht hätte. Uns, dachte ich, muß ein dritter entweder näherzusammen oder weiter auseinander bringen: und dieser dritte kannniemand als das Publikum seyn.

Ich verliere also für mich selbst alle den Nutzen, den ich durchdie Aufführung eines so lichtscheuen Gastes mir versprach, wenn ichnicht auf jedes Wort, auf jede Miene aufmersam bin, mit welcherman ihn empfängt. Ich muß jeden fragen, der über ihn stuzt, oderüber ihn lacht, oder über ihn erschrickt, oder über ihn poltert: wieverstehen Sie das? Wie beweisen Sie das?

Ja, ich bin stolz genung zu glauben, daß da, wo ich Belehrungbrauche oder finde, auch andre derselben nicht ermangeln dürften.Ich halte mich kein Haar besser, als irgend einen Menschen in derWelt: aber ich habe auch keine Ursache, mich für schlechter zu halten,als irgend einen. Ich kann fehlen, wie andre: aber andre könnenauch fehlen, wie ich. Und wenn ja gefallen seyn muß: so will ichlieber über meine eigne Beine zu Boden straucheln, als zu Bodengerissen werden.

Mit dieser erneuerten Vorstellung ergriff ich also auch des HerrnMascho Vertheidigung der geoffenbarten christlichen Religion Bc» der ersten flüchtigen Durchblättcrung schien es mir, alsmüßte der Titel vielmehr heißen- Vertheidigung der geoffenbar-ten christlichen Religion des Herrn Mascho. Ich will sagen,daß mir Herr Mascho ein wenig zu viel seine christliche Religion zuvertheidigen geschienen. Aber daS schien mir wohl auch nur so.

Also zu einer zweyten bedächtlichcn Lektüre mit der Feder in derHand! WaS ich dabey auf das Pappier werfe, sey unmittelbar anihn gerichtet, nicht als Brief, sondern als Stoff zu kleinen Bricf-chcn an ihn.

jter Brief.

Mein Herr,

Ich freue mich herzlich einen Mann in Ihnen zu finden, dessenDeiikungSart mir in so vielen Stücken so wohl behagt. Mit Ihnenverlohnt es sich der Mühe zu sprechen.

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