Bibliolalric.
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was beide in ihren Briefen aus andern Apostolischen Schriftenanführen oder anzuführen scheinen, führen ste nur entweder inganz allgemeinen Ausdrücken an. oder sagen es wohl gar in ih-rem eignen Namen.Wenn ich aber sage, daß die ersten Christen nur eine so unvoll-ständige Bekanntschaft mit den Schriften des N. T. gehabt, so be-greife ich darunter keineSwegeS auch die Bischöfe und PreSbyteros.Tiefe konnten gar wohl mehrere Stücke des Neutestamentlichen CanonSkennen und besitzen; auch wohl alle. Genug, daß daraus doch nochimmer nicht erhellet, daß diese Schriften alle allgemein gange undgebe unter den Christen gewesen.
Wenn aber die ersten Christen nur so geringe Kennlnisse von demgcsammtcn N. Testamente gehabt: so können sie auch unmöglich dieBegriffe davon gehabt haben, die wir itzt davon haben sollen.
Sie konnten sie immerhin für göttlich und für untrüglich halten,in allen und jedem Worte: aber folgt daraus, daß sie ihren Glaubendaraus geschöpft, den sie zum Theil schon hatten, zum Theil auf demweit kürzern Wege der mündlichen Predigt erhielten? Sie hielten dieSchriften der Apostel für das was sie waren, für iTi^,«^-« x«txyoiov, für Dinge, die nach Beschaffenheit der Zeit und andererUmstände an diese und jene Gemeine insbesondere geschrieben wa-ren, die andere nur unter vollkommen ähnlichen Umständen ver-binden könnten.
Zur Erläuterung möge noch das dienen: Barnabas in seinemBriefe Halle gleichen Zweck mit Paulo, nemlich zu zeigen, daß die-Christen von allen Verpflichtungen gegen das Mosaische Gesetzfrey sind- Da nun Paulus längst alle seine Briefe geschrieben hatte,als BarnabaS den seinigen schrieb: so ist daraus, daß BarnabaS denPaulus gleichwohl nicht anführt, nothwendig eins von beyden zu schließen:entweder kannte er die Briefe des Paulus nicht:oder er hielt es für unnöthig sie anzuführen.Aus jenem würde ein großes Lorurthcil wider die Authcntie dieserPaulinischcn Briefe folgen; wenigstens ließe sich die Art, wie sichMichaelis die Publication der apostolischen Schriften einbildet, sehrschlecht damit verbinden. Dieses wäre geschehen,
entweder, weil er geglaubt, daß die Paulinischcn Briefe nichtsbewiesen; d.i. weil er sie nicht für eingegeben gehalten:
oder, weil er geglaubt, daß Paulus nicht mehr beweisen könneals er selbst; d.i. weil er sich für eben so inspirirt gehalten, alsPaulus. Und dieses letzte ist wohl unstreitig der wahre Fall.