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Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch.
Bey der unchristlichen Anstößigkeit seines allgemeinen Satzes, aufdem er zum offenbaren Nachtheile des gesammteil Christenthums, zumblos anscheinenden Lortheile seiner Parthey, so trotzig und unwissendbesteht, soll ihm stillschweigend doch Recht gegeben werden? Bey dergeringsten Einschränkung, die ich hingegen von seinem allgemeinenSatze mache, soll und muß ich nicht einschränken, sondern völlig ans-heben wollen?
Weil ich behaupte, daß die ersten Christen ihre Glaubenslehrennicht aus den Schriften des neuen Testaments geschöpft haben; sondernaus einer frühern Quelle, aus welcher selbst diese Schriften und ihre,wenn ich das Wort wagen darf, Canonicität, geflossen: soll ich be-haupten, daß die Schriften des neuen Testaments gar nichts nutzen?daß die ersten Christen sie gar nicht gekannt? gar nicht gebraucht haben?
Ich hätte geglaubt, so könne mir Göze schließen, dem es nuneinmal zur Natur geworden, einer jeden Behauptung, die nicht inseinen Kram taugt, die allcrlicbloseste Ausdehnung zu geben? Ich hättegeglaubt, so könne mir ein Homilet schließen, dem es erlaubt ist, vondem Unterschiede zwischen regula Liier und regula mieijilioae nie et-was gehört zu haben.
Allerdings! so kann auch nur Er schließen! Und wenn Ew. Hoch-würdcn nicht viel anders zu schließen scheinen: so geschieht es dochblos auf seine Rechnung. Blos weil Herr Doktor Walch die Gut-herzigkeit gehabt, sich dem Hauptpastor surrogicren zu lasse», muß ermich ja wohl eben in dem Gesichtspunkt fassen, in welchem mich die-ser genommen. Ich muß ein förmlicher Bibliomachus seyn: oder wasfür ein Buch kann er denn gegen mich schreiben? Wenigstens hätteer das nicht gegen mich schreiben können.
Zwar wollen Ew. Hochwürden cS auch eigentlich gegen mich nichtgeschrieben haben. Noch weniger gegen den Herrn Doktor Seniler.Wie kann ich auch? fragen Sie; „da keiner von beyden bis jezt die„Gründe angegeben, die beantwortet werden könnten."
Was Herr Doktor Seniler zu dieser Erklärung sagen wird, weißich nicht. So viel weiß ich nur: daß ich sein Interesse von dem mci-nigcn nicht früh genug absondern kann. Den» wenn ich mit ihmauch jezt auf Einem Wege zu wandeln scheine, so wollen wir beydedoch gewiß nicht nach Einem Orte.
Zudem hat mich ohnlängst Herr Doktor Seniler durch einen gu-ten Freund, der ehemals Theologie studieret, jezt aber festere Wissen-schaften treiben soll, (verinnthlich händfestere) nach Berlin ins Toll-haus bringen lassen. Und das wohl darum, damit ich ans alle Weise