Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
573
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Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch, 673

a) Wegen der Stelle ans dem Pädagogen sind mir Ew. Hoch-wurden bereits selbst mir der Antwort zuvorgekommen. Der Pädagogzeigt,wie die Kinder aus der heiligen Schrift des alten und neuenTestaments in der Moral zu unterrichten." Daß dieses sehr wohlgeschehen könne, besonders wenn der Pädagog den Kindern die Bibelnicht selbst in die Hände giebt, sondern ihnen das blos stellenweisebeybringt, was ihren Einsichten und Umständen angemessen ist: werwird daS in Zweifel ziehen? Aber Moral ist nicht diese und jeneReligion, ist die Grundlage aller Religionen; und Clemens, durchhäufige Anführungen aus hcydnischcn Schriftstellern, welche die ncm-liche Vorschriften enthalten, gestehet genugsam ein, daß moralisch gutzu leben, es eben keiner Offenbarung bedurft hätte. Und wenn auchschon der christliche Pädagog bey bloßer Moral der Vernunft nichtstehen bleibt, sondern auch eine höhere christliche Moral lehrt: so istdoch auch selbst die christliche Moral nicht die christliche Religion.Von dieser will ich wissen, wo der Pädagog die ersten Grundlehrcnaus der Bibel beybringt? Nirgends, nirgends. Tugendlchren, Sit-tcnsprüche, nicht «Ziels pi-olianlia der eigentlichen Glaubens-Artikelzog er für seine Jugend aus der Bibel; und war sonach das völligeWidcrspiel von unsern lutherschen Schulmeistern. Denn was diesefast nur tbnn, that er gar nicht; weil er wußte, daß er damit ent-weder zu früh oder zu spät komme. Zu früh, wenn seine Unterge-benen noch nicht getauft waren. Zu spät, wenn sie e§ bereits waren.In jenem Falle sollten sie noch nichts von den eigentlichen Glaubens-lehren des Christenthums wissen. In diesem halten sie nichts mehr da-von zu lernen. Die Taufe, die Taufe war der entscheidende Augen-blick, in welchem die Competentcn alles erfuhren. Was sie da erfuh-ren, war der vollständige christliche Glaube; die eigentliche christlicheReligion, in sofern in jeder geoffenbarten Religion das allein das Wesenderselben ausmacht, was mit der Vernunft nicht zu erreichen steht, weiles entweder über die Vernunft, oder blos positiv, blos willkührlich ist.Ich bitte hierüber das sechste Kapitel im ersten Buche des Pädagogen»achzulescn. Denn ich selbst möchte mich nicht gern ans der Nachbar-schaft der vorigen Stelle bringen lassen, in welcher eine andre Stellevorkommt, au§ welcher ich mit zuerst meine Thesin abstrahirt habe.Wenn denn nun aber, läßt sich Clemens oder der Pädagog gleichsamfragen, (°) für Kinder und für den gemeinen Christen, der immer Kindbleiben soll, aus der Bibel weiter nichts zn nehmen als moralischeLehren und Sprüche, durch welche das Laster gleichsam mit der Wur-

(°) l.ikro III. c-,v- <S. im?. 309. LA». I-ollc-ri.