572
Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch.
Auch schiebe ich wahrlich dem Jrcnäus keinen bessern Sinn lnitcr,als er hat. Denn eben das, was er liegulam veiiwl',8 nennt, nennter an andern Stellen verilal!8 IValnIionem oder velerem l'ratlilio-new, mit unmittelbarer Bcyfügung des Glaubcns-Bckciintnisscs selbst,welches alle falsche Deutung unmöglich macht, lind wie hätte auchdas Glaubens-Bekenntniß in der ersten Kirche überhaupt anders hcis-scn können, als Tradition, da es gar nicht aufgeschrieben werdendnrftc, sondern von den Compercmcn blos auswendig gelernt, blosaus öftcrn mündlichen Vorsagen auswendig gelernt werden mußte?So ward es noch zu den Zeiten des AngustinnS in der Kirche damitgehalten; und was könnte uns verleiten zu argwohnen, daß cS jemalsanders damit gehalten worden? Die Reden, die AngustinuS bey Ab-legung des Glanbcns-Bekenntnisses zu mchrmalcn gehalten, heissen alle8vi'mo»es in 'ki'ixlilioiie Hymlioli, und in einer derselben (°) sind dieWorte so ausdrücklich als möglich. I^ec uk eaelem veilia Ixmliolitolleaiis, sagt er zu den Täuflingen, ullo moclo <kel>eli8 kenne, e,teä auclioniko percliseere: nee eum «Zicliceriliz, 1'eriliere; 5eck mo-woria teiuver teuere stczue reeolere; so wie bald darauf, i>ulkienlZot^mvoluru lZiseilur; nee in tabulis vel in alic^us maleria, leä iaoor<Ze jeritiitur. Und Jrcnäus, der die ncmlichen Worte braucht,sollte nicht die ncmliche Sache meynen, wenn er von den gläubigenbarbarischen Völkern, welche die Schriften der Apostel nicht lesen kön-nen, sagt, daß sie, line eliaits el oli-ainento 1'eiijilam lialienk nersniritum in eoi6ivu8 sui8 talulem? t5r sollte clivaS anders damitmeynen, als das auswendig gelernte Glaubens-Bekenntniß, welchesder heilige Geist in ihren Herzen mit seiner Kraft begleite und alshinlänglich zu ihrer Seligkeit versiegle?
4) Aus dem Tlemens Alexandrinus sind es nicht weniger alsfünf Stellen, welche die Bibel als die Quelle der christlichen Religionzeigen sollen. Da ich mich, wie begreiflich, nicht eher darüber zu er-klären anfange, als bis ich alle fünfe in Erwägung gezogen: so kannich mich kaum enthalten, mich in Voraus zu beklagen, welch sonder-bares Unglück entweder ich, oder Ew. Hochwürden mit diesem Clemenshaben. Denn wenigstens drey von diesen fünf Stellen finde ich inmeinen Collektaneen als solche angemerkt, die meine Meynung vondem Gebrauche, den die damaligen Christen vo» der heiligen Schriftzu machen Pflegten, am kräftigsten bestärken. Sollten die Stellenselbst eines so zweydeutige» Lichts fähig seyn? Wir wollen scheu.
(°) Sermone LllXIl. 1. V. Lclil, venea. p, «53.