Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. 575
stcllcrcy handelt. Nach verschiedenen allgemeinen Betrachtungen, obman überhaupt schreibe» müsse, wer schreiben müsse, ans was fürUrsachen man schreiben müsse, deren einige verloren gegangen; kömmtes endlich darauf hinaus, daß Schriften doch immer einen doppeltenunstreitigen Nutzen haben: einen für den Schriftsteller und den an-dern für den Leser. Der Schriftsteller, so wenig er sich anch bemüht,künstlich und zierlich zu schreiben, hat doch immer den Nutzen, daßdas Aufschreiben seinem Gedächtniß zu statten kömmt, und ein un-trügliches ^«lz/i«xov x^^s ist. Dem Leser hingegen sind Schriftenum so viel vorthcilhafler, je unwissender er selbst ist. Selbst einer,der in seiner Erziehung und in seinem ersten Unterrichte ganz versäumt
worden, «Xiz.u./ZX'urat xax^ 5<zo^?l 5k ««l öi>5ao>«>>,l« 50 °>sm-
X'is braucht, wenn er diese Vcrsänmniß wieder einbringen will,
nur zu demjenigen Lichte seine Zuflucht zu nehmen, daS einem jedenbey der Hand ist, einem jeden gleichsam eigenthümlich zugehört, 5?o?ro ol«5l«>,- y'vz /3a6iHsio, braucht mir denjenigen WahrhcitSlchrcr auf-zusuchen, der schriftlich ihm auch das Ungeschriebene erklärt, --r-.
cl^Kklai-, -r^v t'z>)'tz«!su>; 5« wz>tzce-si« SizXoi«?«-/, das ist, braucht nur
zu lesen. Dieses Lob der Lektüre insgemein, ist eine so feine undrichtige Bemerkung, als nicht Viele von einem Kirchenvater zu erwar-ten geneigt seyn möchten. Aber, bey ttott, so ist es! Wer aus denBüchern nichts mehr lernt, als was in den Büchern steht, der hatdie Bücher nicht halb gcnuzt. Wen die Bücher nicht fähig machen,daß er anch das verstehen und beurtheilen lernt, was sie nicht cnt>halten; wessen Verstand die Bücher nicht überhaupt schärfen und auf-klären, der wäre schwerlich viel schlimmer dran, wenn er anch garkeine Bücher gelesen hätte. „Die Schrift, fährt (ilemcnS bald darauffort, „entzündet jeden Funken der Seele, nnd gewöhnt daS innere„Ange zur Beschallung. Vielleicht, daß sie, wie ein pfropfender Land-„mann, auch etwas hineinlegt; aber ganz gewiß erweckt sie doch das,„was darinnen ist." Daß Clemens hier auf die Platonische Sntwickc-luug zielt, brauche ich nicht zu erinnern. Aber wenn denn nun auchdieses allgemeine Lob des BüchcrlcscnS, die heiligen Bücher nothwen-dig mit treffen muß: was für Ursachen haben Ew. Hochwürdcn ge-habt, uuS die Stelle so zu übersetzen, als ob sie von diesen nur al-lein handle? Heißt denn ^c-^ immer nur die heilige Schrift? Odersoll das etwas entscheiden, daß Polier das Wort mit einem großenAnfangsbuchstaben drucken lassen? lind nnn vollends und»z^a-s)« nicht für geschrieben und ungeschrieben überhaupt, sondernin dem besondern Sinne, in welchem bcydcS erst um das Nicaische