ein Text
über die Texted. i.
Gerippe einer Predigtzu St. Katharincn in Hamburg von
dem Hauptpastor Göze
nicht gehalten17 79.
Am Sonntage Quinquagcsimacevangel. Luc. VIII. 31 — 43. °)
Vorbereitung.
A8cil der heutige Sonntag auch «Lsto mihi heißt/ und mir dabeydie lieben Leutchen einfallen, deren Devise daS LNo m!ui! Mo miln.'oder in mein Stück! in mein Stück! sevn könnte: so will ich eurechristliche Liebe von einer schelmischen Juckscrcv unterhalten/ deren sichMänner schuldig machen, die von Eigennutz und Haabsucht ganz undgar nichts wissen müßten. Mit einem Wort: Ich will heute mitGottes Hülfe den Text über den Text lesen. Und damit ich aller Ver-stümmelung vorbeuge, so laßt uns zuvörderst das Wort Text gehö-rig verstehen.
Text kommt vom Lateinschen 1?extus oder ?extum her, welchesso viel als daS Gewebe irgend eines Zeuges oder Stoffes bedeutet. Indieser ersten eigentlichen Bedeutung braucht man aber das Wort Textin unserer Muttersprache nicht, denn unsre Mütter webten schon, alsnoch kein Mensch im Deutschen wußte, daß weben auf lateinisch'kexere heißt, und wer sich ja gleichwol mit seiner Mutter nicht aus-drücken mag, der braucht in diesem Falle doch lieber Textur als Text.
Sondern ein Text heißt bcv uns nicht sowol was gewebt ist, alsdas, woraus eS gewebt werden kann, und zwar nicht in dem eigent-lichen, sondern tm figürlichen Verstände. Text heißt ein kleinerSpruch, woraus sich eine lange Rede machen läßt: so wie sich auseinem Büschgen Wolle ein langer Faden ziehen und dehnen läßt. —
°) Theologischer Nachlaß S. 43.