Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
604
Einzelbild herunterladen
 

604

Das Christenthum der Vernunft.

§- 8-

Die Christliche hingegen so ungewiß und vieldeutig/ daß esschwerlich eine einzige Stelle giebt/ mit welcher zwey Menschen/ solange als die Welt steht/ den nemlichcn Gedanken verbunden haben.

Das Christenthum der Vernunft.*)§. i.

Das einzige vollkommenste Wesen hat sich von Ewigkeit her mitnichts als mit der Betrachtung des Vollkommenste» beschäftigen können.

§- 2.

Das Vollkommenste ist er selbst; und also hat Gott von Ewig-keit her nur sich selbst denken können.

§- 3-

Vorstelle«/ wollen und schaffe»/ ist bey Gott eines. Man kannalso sage»/ alles was sich Gott vorstellet, alles das schaft er auch.

§. 4-

Gott kann sich nur auf zweyerlcy Art denken, entweder er denktalle seine Vollkommenheiten auf einmal/ und sich als den Inbegrifderselben; oder er denkt seine Vollkommenheiten zertheilt/ eine vonder andern abgesondert, und jede von sich selbst »ach Graden abgetheilt.

§- S-

Gott dachte sich von Ewigkeit her in aller seiner Vollkommenheit;das ist, Gott schuf sich von Ewigkeit her ein Wesen, welchem keineVollkommenheit mangelte, die er selbst besaß.

§. e.

Dieses Wesen nennt die Schrift den Sohn Gottes, oder wel-ches noch besser seyn würde, den Sohn Gott . Einen Gott, weilihm keine von den Eigenschaften fehlt, die Gott zukommen. EinenSohn, weil unserm Begriffe nach dasjenige, was sich etwas vorstellt,vor der Vorstellung eine gewisse Priorität zu haben scheint.

§- 7-

Dieses Wesen ist Gott selbst und von Gott nicht zu unterscheide»/weil man es denkt/ so bald man Gott denkt/ und cS ohne Gott nichtdenken kann; das ist, weil man Gott ohne Gott nicht denken kam»,oder weil das kein Gott seyn würde, dem man die Vorstellung seinerselbst nehmen wollte.

°) Theologischer Nachlaß S.249,