6l)8 Ueber die Enlsiehimg der geoffenbarten Religion.
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Das ist: man mußte aus der Religion der Natur/ welche einerallgemeinen gleichartigen Ausübung unter Menschen nicht fähig war,eine positive Religion bauen: so wie man aus dem Rechte der Natur,aus der nemlichen Ursache, ein positives Recht gcbauct hatte.
§-
Diese positive Religion erhielt ihre Sanktion durch das Ansehenihres Stifters, welcher vorgab, daß das Conventionclle derselben ebenso gewiß von Gott komme, nur mittelbar durch ihn, als das Wesent-liche derselben unmittelbar durch eines jeden Vernunft.
§-
Die Unentbehrlichkeit einer positiven Religion, vermöge welcherdie natürliche Religion in jedem Staate nach dessen natürlicher undzufälliger Beschaffenheit modificirt wird, nenne ick) die innere Wahr-heit derselben, und diese innere Wahrheit derselben ist bey einer sogroß als bey der andern.
§.
Alle positiven und geoffenbarten Religionen sind folglich gleichwahr und gleich falsch.
§-
Gleich wahr: in sofern es überall gleich nothwendig gewesen ist,sich über verschiedene Dinge zu vergleichen, um Uebereinstimmung undEinigkeit in der öffentlichen Religion hervorzubringen.
Z-
Gleich falsch: indem nicht sowol das, worüber man sich vergli-chen, neben dem Wesentlichen besteht, sondern daö Wesentliche schwächtund verdrängt.
§.
Die beste geoffenbarte oder positive Religion ist die, welche diewenigsten konventionellen Zusähe zur natürlichen Religion enthält,die guten Wirkungen der natürlichen Religion am wenigsten ein-schränkt.- — - — — - — — —