Briefe, die ncuesic Litteratur betreffend.
I. Den 4. Iciiuer 1769.Erster Brief.
Etwas werden Sie freylich nachzuhohlen haben; aber nichtviel. Die zwey gefährlichen mühsamen Zahrc, die Sie der Ehre,dem Könige nnd dem Vatcrlandc aufopfern müssen, sind reichgenug an Wundern, nur nicht an gelehrten Wundern gewesen.Gegen hundert Namen, — und hundert sind noch zu wenig —die alle erst in diesem Kriege als Namen verdienstvoller Heldenbekannt geworden; gegen tausend kühne Thaten, die vor IhrenAugen geschahen, an welchen Sie Theil hatten, die zu Quellender uncrwartestcn Veränderungen wurden, — kann ich Ihnenauch nicht ein einziges neues Genie nennen, kann ich Ihnennur sehr wenige Werke schon bekannter Verfasser anführen, diemit jenen Thaten der Nachwelt aufbehalten zu werden verdienten.
Es gilt dieses von uns Deutschen vor allen andern. Zwarhat der Krieg seine blutigste Bühne unter uns aufgeschlagen,und es ist eine alte Klage, daß das allzunahc Geräusch derWaffen, die Musen verscheucht. Verscheucht es sie nun aus einemLande, wo sie nicht recht viele, recht feurige Freunde haben, wosie ohnedem nicht die beste Ausnahme erhielten, so können sieauf eine sehr lange Zeit verscheucht bleiben. Der Friede wirdohne sie wieder kommen; ein trauriger Friede, von dem einzi-gen melancholischen Vergnügen begleitet, über verlorene Güterzu weinen.
Ich rufe Ihre Blicke aus dieser finstern Aussicht zurück.Man muß einem Soldaten sein unentbehrliches Geschäft durchdie bejammernswürdigen Folgen desselben nicht verleiden.
Lieber will ich Sie und mich mit dem süssen Traume un-terhalten, daß in unsern gesittetem Zeiten der Krieg nichts alsein blutiger Proceß unter unabhängigen Häuptern ist, der alleübrige Stände ungcstöret läßt, und auf die Wissenschaften wei-ter keinen Einfluß hat, als daß er neue Xenophons, neuePolybe erwecket. Lieber will ich für Sie auch die leichtestenSpuren der unter uns noch wandelnden Musen aufsuchen, undihnen bis in die glücklichern Reiche nachspüren, aus welchen sie,nicht längst, einen kürzern Weg zu uns gefunden zu haben scheinen.