I. Theil, erster, Zweyter ^ricf.
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Die Umstände, unter welchen Sie diese Arbeit von mirverlangen, machen sie mir zu einem Vergnügen, ans welches ichstolz zu seyn Ursache habe. Kann sich derjenige weigern, IhreSchmerzen durch kleine Zerstreuungen zu lindern, der sie gernmit Ihnen gethcilct hätte? Zc. Fll.
Zweyter Brief.
Wenigstens ist die Gelehrsamkeit, als ein Gewerbe, unterlins in noch ganz leidlichem Gange. Die Meßvcrzcichnissc sindnicht viel kleiner geworden; und unsere Ucbersctzcr arbeiten nochfrisch von der Faust weg.
Was haben sie nicht schon alles übersetzt, und was werdensie nicht noch übersetzen! Eben itzt habe ich einen vor mir, dersich an einen englischen Dichter — rathen Sie einmahl anwelchen! — gemacht hat. O Sie können es doch nicht erra-then! — An Popen. °
Und in Prosa hat er ihn übersetzt. Einen Dichter, dessengrosses, ich will nicht sagen größtes, Verdienst in dem war,was wir das Mechanische in der Poesie nennen; dessen ganzeMühe dahin ging, den reichsten, triftigsten Sinn in die we-nigsten, wohlklingendsten Worte zu legen; dem der Reim keineKleinigkeit war — einen solchen Dichter in Prosa zu übersetzen,heißt ihn ärger entstellen, als man den Eub'li'des entstellenwürde, wenn man ihn in Verse übersetzte.
Es war auch ein blosser Buchhändlcrcinsall; wie der Ucbcr-sctzcr selbst gestehet. Und was geht es diesem an, womit jenerihn Geld verdienen läßt, und selbst Geld zu verdienen denket?Freylich sollte so ein blindlingsgcfälligcs Werkzeug eine bescheide-nere Sprache führen, als unser Ucbersctzcr des Pope führet.Er sollte nicht sagen: „Ich habe mir eingebildet, meinen Dich-„ter völlig zu verstehen, und mich darauf verlassen, daß meine„eigene kleine Dichtcrgabe, so geringe sie auch seyn mag, mir„zu Hülfe kommen würde, das Verstandene so auszudrücken,„daß der Schwung und die Deutlichkeit nicht zu viel verlören —
° Herrn Alexander Pope sämmtliche Werke :c. Erster Band. Mona denD. Zverscn. 17S8. in 8vo.
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