I. Theil. Zwölfter Nrief.
grif muß Herr IVicland von der Sokratischcn Lchrart haben!Was that Sor'ratcs anders, als daß er alle wesentliche Stücke,die zu einer Definition gehören, durch Fragen und Antwortenheraus zu bringen, und endlich auf eben die Weise aus derDefinition Schlußfolgcn zu ziehen suchte? Seine Definitionensind durchgchcndS richtig; und wenn seine Beweise nicht immerdie strengste Probe aushalten, so sieht man wenigstens, daß esmehr ein Fehler der Zeiten, in welchen er lebte, als eine Acr-nachlaßignng und Geringschätzung der trocknen Ilnlersuchungvon Seiten des Philosophen gewesen. Zu unsern Zeiten kanndie Sokratischc Lehrart mit der Strenge der itzigcn Methodeauf eine so geschickte Art verbunden werden, daß man die al-lcrticfsinnigstcn Wahrheiten herausbringt, indem man mir rich-tige Definitionen aufzusuchen scheinet. — Ich will geschwindschlicsscnz Sie möchten mich um die Muster in dieser Art desVertrages fragen. All.
Zwölfter Brief.
Es ist wahr, an einer andern Stelle" scheinet Herr IVie-land die strengste Lchrart zu billigen, und es zu vergessen, daßer den Augenblick zuvor bloß auf die überredende Lehrart ge-drungen hat. Aber warum wollen Sie sich über dicscn Wi-derspruch wundern? Es ist der kleinste von denen, die ihm ent-wischen. — Zch verspreche, ihn zu heben, (ob ich gleich nochnicht weis, wie?) wcnn Sie mir vorher folgenden auflösen können.
Die christliche Religion ist bey dem Herr Wieland immerdas dritte Wort. — Man prahlt oft mit dem, was man garnicht hat, damit man es wenigstens zu haben scheine. —Haben Sie es bemerkt, wie er sie in seiner Akademie will vor-getragen wissen? Ohne die „gewöhnliche Methode der Thcolo-„gcn, und die ungeschickte Einthcilnng in 1'tivoloFiam äogmati-„cam und morulom." Bcwnndcrn Sie den neuen Reformator!Die ungeschickte Einthcilnng! — Das schreibt nun Herr U)ioland so hin! — Und doch ist diese Einthcilnng auf dcm Ka-thcdcr uncntbchrlich. Es ist ganz etwas anders, die Lchrcn des
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