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Briefe, die neueste Litteratur betreffend.
Glaubens von den Pflichten des Lebens in der Ausübung zutrennen, und ganz etwas anders, sie in dem Aortrage, derOrdnung und Deutlichkeit wegen, abzusondern. Durch dieseserhalt jenes nicht den geringsten Vorschub. Wer sich aber, soausdrücklich als Herr MiclanS, darwidcr erkläret, der giebt zuverstehe», daß er aus dem Zuhalte der Dogmatik überhauptnichts mache, und die Religion bloß als eine erhabene Moralgelchrct wisse» wolle. Herr Micland wenigstens verräth diesenVorsatz noch deutlicher, wenn cr verlangt, „daß man von den„eigentlichen Glaubensartikeln mit keinen andern, als mit Wor-„tcn der Schrift reden solle." — Und nun sind auf einmalalle mögliche Ketzer in den Schooß seiner Kirche aufgenommen! —Dieses, und seine wiederholte Anpreisung des Shaftcsbury,den cr in seiner Academie zum elastischen Schriftsteller macht,werden hoffentlich unsere Theologe» nicht ermangeln, in Betrach-tung zu ziehen, bevor sie sich in das poetische Interesse desHerrn IVielanos verwickeln lassen. Shaftesbur)? ist der ge-fährlichste Feind der Religion, weil cr der feinste ist. Undwenn cr sonst auch noch so viel Gutcs hätte; Jupiter verschmähtedie Rose in dem Munde der Schlange. Fll.
V. Scn 1. Febrnar 1769.Drcyzehiiter Brief.
Was ich unter des Herrn IVielands patriotischer Verach-tung seincr Nation verstehe, werden Sie am besten aus einemExempel abnehmen können. — Herr ttlielanS redet von derBeredsamkeit der Kanzel, und bricht i» die Frage aus: „Wie„lange wollen wir uns von den Franzosen beschämen lassen,„welche ihre Dossuets, Donroaloue, XNassillons, Trublets,„ausweisen können, da hingegen unsere größten geistlichen Rcd -„ncr gegen jene nicht in Betrachtung kommen?"
Wenn doch dem Herrn VviclanS diese einsichtsvolle Frageentwischt wäre, als er einem von unsern größten geistlichenRednern seine Empfindungen zueignete! An eben dem Orte,wo cr zu ihm sagt: ;,Es würde cinc strafbare Undankbarkeit„seyn, wenn ich bei dieser Gelegenheit verschweigen wollte, mit„wie vieler Rührung und Nutze» ich den vertheidigten Glau-