I. Theil. Fünfzehnter Brief.
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„Daß du auf unsern ebnen Siegesweg
„Ein Gllmüy stelletest, und einen Held,
„Der wie ein braver Mann sich wehrcte,
„In seine hohen Wall und Mauern gabst.
„Denn gabst du es in unsre Hand, so war
„Kein Weg vor uns, als nach dem stolzen XVien;
„So hätten wir uns allzuweit entfernt,
„Von unserm Vatcrlande, dessen Schutz
„Wir sind, nach dir, erhabner starker Gott!
„So wäre wohl der Jammer, das Geschrey
„Der Weiber und der Kinder, welche wir
„Zurückgelassen hatten, allzuspät
„UiiS nacherschvllcn. Friedrich hätte wohl
„Des Vaterlandes Ruf und Rache nicht
„Zu rechter Zeit und Stunde, da gehört,
„Wo umzukehren war. Darum, o Gott,
„Sey ewig hochgelebt von uns und ihm!Hier folget eine sehr poetische Beschreibung der Verwüstungen,die das Rußischc Heer in den königlichen Staaten angerichtet.Ich habe mir folgendes Gleichniß daraus behalten:
— — — „Langsam zog es daher,
„Wie durch fruchtbares Feld in Afrika ,
„Giftvoller grosser Schlangen Heere zichn!
„Da steht auf beyden Seiten ihres FugS
„ErstorbncS GraS, da steht, so weit umher,
„Als ihre Bäuche kriechen, alles todt.
„Von Memel bis Riistrin stand Friedrichs Land
„So da, verwüstet, öde, traurig todt!Nun fährt er fort:
„Allein der Held vernahm zu rechter Zeit
„In seinem HanS von Leinwand, auf der Bahn
„Des Sieges, deinen bangen schwachen Ruf,
„O Vaterland! zu Gott und ihm! — Und stracks
„War sein Gedank allein an dich! Er gab
„Dem grossem Feind ein wenig Luft, und flog,
„Mit einem kleinen edeln Heldenheer
„Dahin, wo sein gequältes banges Volk
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