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Briefe, die neueste Litteratur betreffend.
Uebcrhaupt davon zu rcdcn, bin ich auch dieser Meinung; obich gleich gegen wenig Recensionen in dem ganzen Werke mehreinzuwenden hätte, als gegen diese.
Der Abhandlung des Herrn Rlopstocks von 0er Nachah-mung des Griechischen Sylbcnmaasses im Deutschen, hatder Kunstlichter zu wenig Gerechtigkeit wicdcrsahren lassen. Daßsie der Verfasser selbst ein blosses Fragment nennt, hätte ihnnicht verführen sollen. Sie ist in ihrer Art kein schlechteresFragment, als noch bis izt der Mcßias selbst ist. Man siehtnur, daß noch nicht alles gesagt worden; aber was auch gesagtworden, ist vortrcflich. Nur muß man selbst über die altenSylbenmaassc nachgedacht haben, wenn man alle die feinenAnmerkungen verstehen will, die Herr Rlopstock mehr im Vor-beygehen, als mit Vorsatz zu machen scheinet. Und so geht es,wenn ein Genie von seiner Materie voll ist, und die ticfcstcnGeheimnisse derselben kennet; wenn er davon rcdcn muß, wirder selten wissen, wo er anfangen soll; und wenn cr dcnn an-fängt, so wird cr so vieles voraus setzen, daß ihn gemeine Le-ser dunkel, und Leser von etwas besserer Gattung supcrficicllschelten werden. Es befremdet mich also gar nicht, daß auchden Kunstrichtcr in der Bibliothek, die Gedanken des HerrnRlopstocks nicht gänzlich überzeugt haben, und daß ihm über-haupt der prosaische Vortrag desselben nicht allzuordcntlich undangenehm vorkömmt. — Mir gefällt die Prosa unsers Dichtersungcmcin wohl; und diese Abhandlung insbesondere ist einMuster, wie man von grammatikalischen Kleinigkeiten ohne Pe-danterie schreiben soll.
So gar hat der Kunstrichtcr die allerwichtigstc Erinnerungdes Herrn RIopstocks gänzlich übersehen. Sie bctrift das Ge-heimniß des poetischen Perioden; ein Geheimniß welches uns unterandern den Schlüssel giebt, warum alle lateinische Dichter, inAnschung der Harmonie, so weit unter dem Virgil bleiben, obgleich jeder ihrer Hexameter, vor sich betrachtet, eben so voll undwohlklingend ist, als jeder einzelne des Virgils.
Indem ich dcs Hexameters und des Herrn Rlopstocks hiergedenke, fällt mir ein, Zhncn cine kleine Entdeckung mitzuthei-len. Man hat gcfragt, ob Herr Rlopstock der erste sey, der