Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
53
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I. Theil. Vreyßigstcr Brief.

Rede des Vaters im ersten Gesang vorgenommen. Es ist derAnständigkeit gemäß, daß sich Gott so kurz als möglich aus-drückt; und jene Rede verstieß wider diese Regel viel z» sehr.Gleichwohl maßte alles, was Gott da sagt, gesagt werden;und der Dichter ist nunmehr also ans das Mittel gefallen, ihnselbst nur die ersten teilen sagen, und das klebrige einen Seraphvon dem Gesichte Gottes lesen zu lassen. Zch bewundere diesenEinfall als eine Veränderung, zu der ihn die Noib gebracht;an und für sich selbst aber hat er meinen Beyfall nicht. Fll.

XII. 5cn 22. M5rz. 175!1.Dreyßigstcr Brief.

Die Fabeln des Rabbi Vcrachsa ^anab'San," oder wie ermit seinem ganzen Namen heißt: Verach/a Zdcn-^7atronai-Hanakdan, haben ihre Aufmerksamkeit an sich gezogen, undSie wünschen mehrere von den eigenthümlichen Erfindungendieses Fabulistcn zu lesen.

Vorher lassen Sie sich einen lustigen Fehler crzchlcn, denHerr Professor Gottsched mit diesen Fabeln gemacht hat. Weilsie ihr Verfasser Fabeln der Füchse zu ncnnen für gut befun-den, so hat Herr Gottsched den schönen Einfall gehabt, siefür eine Übersetzung des Rcinebc Fuchs °° auszugeben. HörenSie nur, was er sagt:Die zweyte Ucbcrsetzung ist eine He-bräische, die unter dem Titel Mischlc Schualim, die Fabelnvon Füchsen jZ57 zu Mantua gedruckt worden. Der Ncrfas-scr ist Rabbi Darachiüs Zben-N'arronKl gewesen. Nun meinetzwar Morhof, es wären auch andere Fabeln von andernThieren darinnen; folglich möchte es nur ein Acsopisches Fabcl-buch seyn. Allein im Reiner'c Fuchs kommen ja auch andereFabeln von Thieren vor: und warum hätte man den Fuchsauf den Titel gesetzt, wenn seine Geschichte nicht die vornehmstedarum wäre."

Hätte Herr Professor Gottsched nicht in dem Wahn gestan-den, daß ein Autor auch zu derjenigen Zeit müsse gelebt haben,

° Biblicll'ck d. sch, Wifi, m Band, ilcs Sl. S. 7?.°° In der Vorrede zum Rrimtc Fuchs S> 43.