Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
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70
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Briefe, die neueste Litteratur betreffend.

tLpodos.

Meine tonvollc Leyer den Kranz dcS goldncn OclzweigcS singen,der deine Scheitel schmückt, und die angestammte Tugend der westli-chen Locrier. Vasclbst, ihr Musen, führet festlich den Tanz auf!Richt ein unwirthl'arcS Volk, euch schwör ichs, besucht ihr, »och unge-übt im Gefühle des Schönen: sondern ein Volk, tiefsinniger Weis-heit und kriegerischen Muths voll. Denn Sitten, die die Naturgab, wandelt weder der feurige Fuchs, noch der mächtig brüllende Löwe.

Fll.

Zwey und dreißigster Brief.

Sie erinnern sich doch, daß vor einigen Jahren in dem un-tcrirdischcn Hcrkulano eine kleine Bibliothek gefunden ward?Einem Gelehrten in Neapolis ist es gelungen, eine von dengriechischen Handschriften derselben zu entwickeln, und das Glückhat gewollt, daß es die LpwT-oir-x^vl-x des Alciphrons seynmüssen. Der Herr von Q *° der sich itzt in Neapolis auf-hält, hat Gelegenheit gehabt, ein Stück daraus abzuschreiben,und hat es nach Deutschland geschickt. Hier ist es einem vonunsern besten Dichtern in die Hände gefallen, der es so vortrcf-lich gefunden, daß er folgende Ucbcrsctzung davon gemacht. Esist das achtzehnte Erotopaignion in der Ordnung, und überschrieben:Die Grazien.

Als an einem FrühliugSabende sich die drey Grazien neben einemWalde in acidalischcn Luiellcn belustigten, vcrlchr sich plötzlich Aglaja,die Schönste der Grazien. Wie crschrackcn die Töchter der Anmuth,als sie Aglajcn vermißten! Wie liefen sie durch die Bäume und such-tcn und riefen:

So ängstlich bebt auf Manethuser Saiten

Ter zärtsie Silbcrton.

Aglaja! rief der Silbcrton.

Aglaja! half der Nachhall sanft verbreiten.

Umsonst! Aglaja war cntslohn.

Ach, pan schlich längst ihr nack! Der Frevler hat sie schon!Ach, Acidalia! blick her von deinem Thron!Soll sie nach langen Ewigkeiten,,/Nur iyt nicht langer uns begleiten?

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