II. Theil. Zwey lind dreißigster Brief. 71
„Zwo Grazie» sind aller 5velt zum Hohn;
„Und ach! die dritte hat er schon'. —
„So klagten sie. Umsonst! Aglaja war cnlsioh».„Nun schlichen sie an den Wuschen herum, und schlugen leise an die„Blätter und flohen nach jedem Schlage furchtsam zurück.
„Den» stellte» sie sich gleich, den Räuber auszuspähu,
„So zitterten sie doch für Furcht, ihn nur zu sehn.„Endlich kamen sie a» ei» Roscngcbüschc, das meine Chloe versteckte —„und mich. Chloe saß vor mir, ich hinter Chloe».
„Itzt bog ich schlau an ihrem Hals mich langsam über,
„Und stahl ihr schnell ei» Mäulchc» ab;
„Jtzt bog sie «»vermerkt dc» Hals zu mir herüber,
„Und jedes »ahm den Kuß auf halbe». Weg sich ab,
„Demi jedes »ahm und jedes gab.„I» diesem Spiele überraschte» u»S die Grazien, und sie lachte» la»t,„da sie uns küsse» sahe», und hüpfte» fröhlich z» u»s herbey. Da„ist Aglaja! — riefe» sie. Die Schalkhafte! — D» küssest, da wir„»»ruhig herumirrc», und dich nicht finde» könne»? — Und itzt liefe»„sie mit meiner Chloe davon.
„Was? rief ich, lose Räuberinnc»!
„Wie sollte sie Aglaja seyn?
„Ihr irrt euch sehr, ihr Huldgöttinne»!
„Für Grazie» ist das nicht fei»!
„(Lebt Chloe» mir zurück! Bctrogne, sie ist mein!„Doch die Grazien hörte» mich »icht, und liefen mit mci»cr Chloe da-„von. Zornig wollte ich ihnen nacheilen, als plötzlich Aglaja hinter„einer Buche hervortrat, u»d mir winkte, und freundlich lächelnd also„zu mir sprach:
„Wärmn willst d» zu Chloe» eile»?
„Beglückter Sterblicher, Aglaja liebet dich.
„Küß itzt ciiimal statt Chloe» mich;
„Wüttsch nicht dci» Mädchen zu ereile»:
„Ich, eine Götti», licbe dich.„Schüchtern sah ich die Hnldgöiti» an.
„Auf ihre» Waiigcn sprach Entzücken,
„Und Jugend und Gefühl aus dc» verschämte» Blicke».„Gefährliche Ncizuugc»! — Abcr mit drcistcr Hand ergriff ich die