II, Theil. Vierzigster Brief.
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bcn zuvorgekommen, (wie er sich dessen auch in allem Ernsterühmet) würde er wohl einen einzigen Nachfolger bekommenhaben, wenn seine Hexameter auch schon zehnmal richtiger undwohlklingender wäre», als sie in der That nicht sind?
Aber was vermuthen Sie bey dem allen von dem Verfasserdes Frühlings? Sollte man nicht glauben, er habe nach derZeit seine neue Vcrsart selbst gcmißbilligct? Findet sich auchnur ein einziger Hexameter in seinen neuen Gesichten? Undsein Cissidcs unv Pachcs, — ich würde darauf geschworen ha-ben, daß dieser in Hexametern seyn müßte.
Ich habe es wohl gedacht, daß ich nicht nöthig babenwürde, Ihnen dieses letztere Werk" bekannt zu machen. ZbrcNcugicrde ist mir zuvor gekommen. Ich kann nun weiternichts, als in das Lob, welches Sie ihm ertheilen, mit einstim-men. Es ist wahr, man wird schwerlich ein anderes Gedichtnennen können, in welchem so viele grosse und schreckliche Sce-nen in einem so engen Ranm zusammengepreßt wären. Eswürde einem geschickten Mahler etwas leichtes seyn, es ganz,so wie es ist, in eine Folge von Gemählden zu verwandeln.Der Dichter hat ihm alles vorgczcichnct. Das Tilclkupfcr istein Beweis davon, wo sich Herr !Neil mit eben so vieler Kunst,als Genauigkeit, an die Worte zu halten gewußt hat.
Zuletzt setzt er den Bogen auf die Brust
Tem Flehenden, mit weggewandten Blick.Und zu welchen vortrcflichcn Schilderungen könnte im zweytenGesänge, die Löschung des Durstes, und der Tod des Eissidcs,so wie im dritten, der getreue Knecht unter dem Teppiche sei-nes todten Herrn, Stoff geben! — Doch derjenigen poetischenGemählde, die dem Dichter kein Künstler mit Linien und Far-ben nachbilden wird, sind noch weit mehrere. Als:
Wenn vom Orcan gepeitscht, des Meeres Flnth,
Tie mit den sinkenden Ecwolkcn sich,
Hoch in der finstern Luft, zu mischen schien,
Gleich Berg und Felsen im vrdbebcn. fällt,
lind wieder steigt und fallt, daß alles heult,
° Cisfidcs und Pachcs, in drey Ecsängc», von dem Verfasser des Früh-lings, Berlin bey Boß 176S.