Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
123
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III. Theil. Acht und vierzigster Brief.

auf bedacht gewesen, ihn Jesum erst blos als eine» frommenund ganz heiligen Mann, als einen zärtlichen Kindcrfreund,lieben zu lehren. Allein ich fürchte sehr, daß strenge Verehrerder Religion mit der gewaltsamen Ausdehnung dieser Regelnicht zufrieden seyn werden. Oder sie werden vielmehr nichteinmal zugeben, daß diese Regel hier beobachtet worden. Dennwenn diese Regel sagt, daß man in der Unterweisung von demLeichten auf das Schwerere fortgehen müsse, so ist dieses Leich-tere nicht für eine Verstümmlung, für eine Entkräftung derschweren Wahrheit, für eine solche Herabsetzung derselben anzu-sehen, daß sie das, was sie eigentlich seyn sollte, gar nichtmehr bleibt. Und darauf muß Nestor Ironsioe nicht gedachthaben, wenn er es, nur ein Jahr lang, dabey hat können be.-wenden lassen, den göttlichen Erlöser seinem Sohne bloß alseinen Mann vorzustellen, den Gottzur Belohnung seiner unschul- eigen Jugend, in seinem drcyßigsten Jahre mit einer so grossenWeisheit, als noch niemals einem Menschen gegeben worden, aus-gerüstet, zum Lehrer aller Menschen verordnet, und zugleich mit derKraft begabt habe, solche herrliche und ausscrordcntlichc Thaten zuthun, als sonst niemand ausser ihm verrichten können. Heißtdas den geheimnisvollen Bcgrif eines ewigen Erlösers erleich-tern? Es heißt ihn aufheben; es heißt einen ganz andern andessen Statt setzen; cs heißt, mit einem Worte, sein Kind solange zum Sociniancr machen, bis cs die orthodore Lehre fassenkann. Und wenn kann cs dic fassen? In wclchcm Alter wer-den wir geschickter, dieses Geheimniß cinzuschcn, als wir cs inunsrer Kindheit sind? Und da es einmal ein Geheimniß ist,ist cs nicht billiger, es gleich ganz dcr bercitwilligcn Kindheitemzuflösscn, als die Zeit dcr sich sträubcnven Vernunft damitzu erwarten? Dicsc Anmerkung im Vorbeygehen!

Was dcr nordische Aufseher zum Besten der unstudirtcnLiebhaber guter Schriften gethan hat, belauft sich ohngcfchrauf sechs oder sieben neuere Autorcs, aus welchen er, nach ei-ner kurzen Beurtheilung, besonders merkwürdige und lehrreicheStellen beybringt. So preiset er z. E. in dem vierten undsiebenven Stücke die Werke des Kanzlers Zvaguejseau an, nndzwar mit diesem Zusätze:Ich kann nicht schliesst», ohne zur Ehre