Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
125
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III. Theil. Reun und vierzigster Brief.

1?',

Unerschaffcner Schöpfer, gnadig, weise, dessen Liebe unumschränktist; der du für jeden Sinn, damit man Tich erkennen möge, einParadies erschaffen hast, Du bist alles und alles in Dir; überallsieht man deinen Fußtapfcn--

Tu machst den Sommer, den Winter, den Herbst zu Predigerndeiner Macht und Ehre. Aber der Frühling was soll dieser seyn?O Erschaffer, er ist ganz Ruhm. Er redet zu den tauben ungläu-bigcn Haussen mit tausend Zungen. --

Er ist unter allen am meisten Dir gleich; er erschaffet, er bildet,er belebt, er erhält, er nähret, er giebt Kraft und Stärke; er ister ist beynahe Tu selbst. Wie wenig wissen von dieser Freude die,welche in dem Tunsie und Staube vcrschloßncr Mauern, wenn dieganze Natur ruft: Aomm! unter schweren Gedanken furchtsamlauren. :c. G.

V. Ven 2. August. 1769.

Neun und vierzigster Brief.

Sie billigen die Anmerkung, die ich über die Methode desNestor IronsiSe, seinen Sohn den Erlöser kennen zn lehren,gemacht habe; nnd Mindern sich, wie der Aufseher eine so he-tcrodorc Lchrart zur Nachahmung habe anpreisen können. Aberwissen sie denn nicht, daß ihr ein guter Christ ganz etwasanders zn seyn anfängt, als er noch vor dreyßig, fünfzigJahren war? Die Orthodoxie ist ein Gcspötte worden; manbegnügt sich mit einer lieblichen Quintessenz, die man ausdem Christenthume gezogen hat, nnd weichet allem Verdachteder Freydcnkcrcy aus, wenn man von der Religion übcr-hanpt nur fein enthusiastisch zu schwatzen weis. Behaupten Siez. E. daß man ohne Religion kein rcchtschafner Mannsc/n könne; und man wird Sie von allen Glaubensartikeln den-ken und reden lassen, wie sie immer wollen. Haben Sie vollendsdie Klugheit, sich gar nicht darüber äuszulasscn; alle sie betref-fende Streitigkeiten mit einer frommen Bescheidenheit abzuleh-nen: o so sind Sie vollends ein Christ, ein Gottcsgcichrtcr, sovöllig ohne Tadel, als ihn die feinere religiöse Welt nur im-mer verlangen wird.