Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
127
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III. Theil. Neun und vierzigster Brief. 127

noch weiter treibet? Aus folgender Schilderung, die er voneinem Manne ohne Religion macht, ist es klar,polidsr,höre ich zuweilen sagen, ist zu bedauern, daß er kein Christ ist. Erdenkt über die Religion bis zur Ausschweifung frey; sein Witz wirdunerschöpflich, wenn er anfangt ihre Vertheidiger lächerlich zu ma-chcn; aber er ist ein ehrlicher Mann; er handelt rechtschaffen; ma»wird ihm keine einzige Ungerechtigkeit vorwerfen können :c,Aber mit Erlaubnis; diesem Polioor fehlt es nicht bloß anReligion: er ist ein Narr, dem es an gesunder Vernunftfehlt; und von diesem will ich cs selbst gern glauben, daßalle seine Tugenden, Tugenden des Temperaments sind. Dennmuß er deswegen, weil er sich von einer geoffenbarten Re-ligion nicht überzeugen kann, muß er deswegen darüber spot-ten? Muß er ihre Vertheidiger deswegen lächerlich machendWelche Gradation: ein Mann der von keiner geoffenbartenReligion überzeugt ist; ein Mann der gar keine Religion ?n-giebt; ein Mann, der über alle Religion spottet! Und ist csbillig, alle diese Leute in eine Klasse zu werfen?

Das war also, gelinde zu urtheilen, eine Sophisterei)! Undnun betrachten sie seinen zweyten Grund, wo er das WortRechtsckaffenhcic in einem engern Verstände nimmt, und csseinen Gegnern noch näher zu legen glaubt.Allein, sagt er,wenn wir unter der Nechtschafscnhcit auch nur die Pflichten der ge-sellschaftlichen Billigkeit und Gerechtigkeit verstehen wollten: So könntedoch vernünftiger Weise nicht vermuthet werden, daß ein Mannohne Religion ein rechtschafncr Mann seyn wurde, vigennntz, Zorn,vifersucht, Wollust, Rache und Stolz, sind Leidenschaften, derenAnfälle jeder Mensch empfindet, und wer weiß nicht, wie gewaltigdiese Leidenschaften sind? vntsagt nun ein Mensch der Religion;entsagt er künftigen Belohnungen; entsagt er dem Wohlgefallen derGottheit an seinen Handlungen, nnd ist seine Seele gegen die Schreckenihrer Gerechtigkeit verhärtet: Was für eine Ncrsichrung haben wir,daß er den strengen Gesetzen der Rcchtschaffcnheit gehorchen werde,wenn aufgebrachte mächtige Leidenschaften die Beleidigung derselbe»zu ihrer Befriedigung verlangen? Abermals die nehmliche So-phisterei)! Denn ist man denn schon ein Christ, (diesen verstehtder Aufseher unter dem Manne von Religion) wenn man