142 Briefe, die neueste Litteratur betreffend.
hinderlich, und cr muß, um zu seinem Zwecke zu gelangen, dieHarmonie wieder zerstören, die dem Dichter so unsägliche Mühegemacht hat. Da also der prosaische Wohlklang entweder vondem musikalischen verschlungen wird, oder wohl gar durch dieKollision leidet, und Wohlklnng zu seyn aufhöret; wäre es nichtbesser, daß der Dichter überhaupt für den Musikus in gar kei-nem Svlbcnmaassc schriebe, und eine Arbeit gänzlich untcrlicssc,die ihm dieser doch niemals danket^ — Ja ich wollte nochweiter gehen, und diese freye Vcrsart so gar für das Dramaempfehlen. Wir haben angefangen, Trauerspiele in Prosa zuschreiben, und es sind viel Leser sehr unzufrieden damit gewesen,daß man auch diese Gattung der eigentlichen Poesie dadurchcntrcisscn zu wollen scheinet. Diese würden sich vielleicht miteinem solchen Quasi-Metro befriedigen lassen; besonders wennman ihnen sagte, daß z. E. die Acrse des Plaurus nicht vielgebundener wären. Der Scribcnt selbst behielte dabey in derThat alle Freyheit, die ihm in der Prosc zustattcn kömmt, undwürde bloß Anlaß finden, seine Perioden desto symmetrischer undwohlklingender zu machen. Wie viel Vortheile auch der Schau-spieler daraus ziehen könnte, will ich itzt gar nicht erwähnen;wenn sich nehmlich der Dichter bey der Abtheilung dieser freyenZeilen nach den Regeln der Dcclamation richtete, und jedeZeile so lang oder kurz machte, als jener jedesmal viel oderwenig Worte in einem Athem zusammen aussprcchcn müßte, zc.
Das einzige Stück des nordischen Aufsehers, welches indie Eritik einschlägt, ist das sechs und zwanzigste, und handeltvon den Mitteln, durch die man den poetischen Stil über denprosaischen erheben könne und müsse. Es ist sehr wohl geschrie-ben, und enthält vortrcslichc Anmerkungen. — Gleich Anfangsmerket der Verfasser an, daß keine Nation weder in der Proscnoch in der Poesie vorlreflich geworden ist, die ihre poetischeSprache nicht sehr merklich von der prosaischen unterschiedenbätte. Er beweiset dieses mit dem Exempel der GriechenRömer, Ztaliäncr und Engländer. Von den Franzosen abersagt cr: „Die Franzose», welche die Prosc der Gesellschaften, und„was derselbe» nahe kömmt, mit der meisten Feinheit und vielleicht am„besten in Europa schreiben, haben ihre poetische Sprache unter allcn