III. Theil. Ein und fnnfzigfler Brief. 143
„am wenigsten von der prosaischen unterschieden. Einige von ihren„Genies haben selbst über diese Fesseln geklagt, die sich die Ration von„ihren Grammaticis und von ihren PelitsmaitcrS hat anlegen lassen.„Untcrdcß würde man sich sehr irren, wenn man glaubte, daß ihre„Poesie gar nicht von ihrer Prose unterschieden wäre. Sie ist dieses„bisweilen sehr; und wenn sie es nicht ist: so haben wir wenigstens„das Vergnügen, da, wo wir bey ihnen den poetischen Ausdruck ver-„missen, schöne Prose zu finden: ein Vergnügen, das nns diejenigen„unter den Teutschen selten machen, welche an die wesentliche Verschie-denheit der poetischen und der prosaischen Sprache so wenig zu den-„ken scheinen." — Er kömmt hierauf auf die Mittel selbst, wo-durch dicsc Verschiedenheit erhalten wird. Das erste ist die sorg-fältige Wahl der Wörter. Der Dichter muß überall die edelstenund nachdrücklichsten Wörter wählen. Unter die letzter» zehlctcr auch diejenigen, die mit Geschmack zusammen gesetzt sind.„ES ist, sagt er, der Natur unserer Sprache gemäß, sie zu brauchen.„Wir sagen so gar im gemeinen Leben: Ein czottesvcrgesincr Mensch.„Warum sollten wir also den Griechen hierin» nicht nachahmen, da uns„unsere Vorfahren schon lange die Erlaubniß dazu gegeben haben?" —Das zweyte Mittel bestehet in der veränderten Ordnung derWörter; und die Regel der zu verändernden Wortfügung istdiese: Wir müssen die Gegenstände, die in einer Vorstellungam meisten rühren, zu erst zeigen. — „Aber nicht allein die Wahl„guter Wörter, fährt der Verfasser fort, und die geänderte Verbin-dung derselben unterscheiden den poetischen Perioden von dem prosai-schen. Es sind noch verschiedene von denen anscheinenden .Kleinigkei-ten zu beobachten, durch welche virgil vorzüglich geworden ist, was„er ist. Ich nehme an, daß die Wörter des Perioden und die Ord-„nung derselben, der Handlung, die der Periode ausdrücken soll, ge-„mäß sind. Aber gleichwohl gefällt er noch nicht genug. Hier ist eine„Redensart, wo nur ein Wort seyn sollte. Und nichts tödtct die„Handlung mehr, als gewisse Begriffe in Redensarten ausdehnen. Es„kann auch bisweilen das Gegentheil seyn. Hier sollte eine glückliche„Redensart stehen. Tcr Gedanke erfordert dicsc Ausbildung. Tort„sind dic Partikeln langweilig, welche die Glieder des Perioden fast„unmerklich verbinden sollten. Sie sinds unter andern, wenn sie zu„viel Sylben haben. Ein: dem ungeachtet könnte die schönste Stelle