Briefe die neueste Litteratur betreffend.
„verderben. Sie sinds ferner, wenn sie da gesetzt werden, wo sie,„ohne daß die Deutlichkeit oder der Nachdruck darunter litte, wcgblei-„bcn könnten. Das doch, mit dein man wünscht, gehört vornehmlich„hierher. In einer andern Stelle stand die Interjektion nicht, wo sie„stehen sollte. Das Ach ficng den Perioden an; und es hätte glück-licher vor den Wörtern gestanden, welche die Leidenschaften am mci-„flcn ausdrücken. Ein andermal hat der Verfasser nicht gewußt, von„welcher Kürze, und von welcher Starke das Participium gewesen seyn„würde. Darauf hat er cS wieder gesetzt, wo es nicht hingehörte."
' Schliessen Sie ans dieser Stelle, wie viel feine Anmerkungenund Regeln der Verfasser in einen kleinen Raum zu conccntri-rcn gewußt hat. Zch möchte gern allen unsern Dichtern empfeh-len, dieses Stück mehr als einmal zn lesen; es mit allem Flcissczu studircn. Es würde jeder alsdenn wohl von selbst finden,wenn und wie diese oder jene allgemeine Regel des Verfasserseine Ansnahmc leiden könne und müsse. Die sorgfältige Wahlder edelsten Wörter, z. E. leidet alsdenn einen grossen Abfall,wenn der Dichter nicht in seiner eignen Person spricht. Zn demDrama besonders, wo jede Person, so wie ihre eigene Dcn-kungsart, also auch ihre eigne Art zu sprechen haben muß. Dieedelsten Worte sind eben deswegen, weil sie die edelsten sind, fastniemals zugleich diejenigen, die nns in der Geschwindigkeit, undbesonders im Affcctc, zu erst bchsallcn. Sie verrathen die vor-hergegangene Ucberlcgung, verwandeln die Helden in Declama-torcs, und stören dadurch die Illusion. Es ist daher sogar eingrosses Kunststück eines tragischen Dichters, wenn er, besondersdie erhabensten Gedanken, in die gemeinsten Worte kleidet, undim Affccte nicht das edelste, sondern das nachdrücklichste Wort,wenn es auch schon einen etwas niedrigen Ncbcnbcgriff mit sichführen sollte, crgreiffcn läßt. Aon diesem Kunststücke werdenaber freylich diejenigen nichts wissen wollen, die nur an einemcorrcctcn Racine Geschmack finden, und so unglücklich sind, kei-nen Shakespear zn kennen. K-