Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
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172
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Briefe, die neueste Litteratur betreffend.

hat. Mich befremdet weiter nichts dabey, als das todte Still-schweige», welches er wegen dieser seiner Nachahmung beobach-tet. Und wenn er dem Rowe nur noch blosse einzelne Stellenzu danken halte! Allein so hat er ihm auch den ganzen Planzu danken; und ich kann ohne die geringste Uebertreibung be-haupten, daß fast keine einzige Situation sein eigen ist. Siebicrvon zu überzeugen, erlauben Sie mir, Ihnen den Plan derenglischen Johanna Gray mit wenigen vorzuzeichncn.

iLdwarV lebt noch, und Johanna Gray ist mit ihrem Gnil-forv noch nicht vermählet. Von diesem Punkte gehet Roweaus. Die Herzoge von Norlhumbcrland und Susfolk, nebsteinem gewissen Johann Gatts cröfncn die Scene. Wir erfah-ren, daß der König in den letzten Zügen lieget, und daß derHerzog von Notthumbcrland bereits seine Maaßregeln genom-men hat, die Nachfolge der päpstischcn Maria zu verhindern.Die Gegenwart der Johanna ist dazu unumgänglich nöthig;und der Herzog von Suffolb' gehet ab, ihre Ankunft bey Hofczu bcschlcinigcn; so wie kurz zuvor Gates abgehet, ihre Freundeauf allen Fall in Bereitschaft zu halten. Norrhumbcrlandverräth in einer Monologue weitaussehcndc Anschläge, derenglücklicher Fortgang vornehmlich darauf beruhe, daß Johanna,noch vor LLöwarvs Absterben, mit seinem Sohne, dem Guil-ford vermählt werde. Der Graf von Pcmbrock kömmt dazu;ein junger hitziger Mann, den L^orchumbcrland durch Schmei-cheleien zu gewinnen sucht. Pcmbrock stutzt darüber um so viel-mehr, da er der erklärte Nebenbuhler seines Sohnes ist. Dochder alte Herzog versichert ihm, daß diese Sache zu klein sey,als daß sie seiner Achtung gegen ihn das geringste benehmenkönnte, sie möge auch einen Ausgang haben, was für einensie wolle. Er geht ab, und sagt, daß er des Pembrocks imgeheimen Rathe erwarte. Pcmbrock bleibt allein und spottetdes alten Bischofs Gardiner, der nicht aufhöre, ihm denNorrhumberlanS als einen falschen Mann abzumahlen, ohneZweifel aus blossem Hasse gegen die neue Religion, welcher derHerzog zugetban sey. Er hält den Vater für eben so aufrichtigund edelgesinnt als den Sohn, mit dem' er, ihrer Rivalitätungeachtet, eine vertraute Freundschaft unterhält. Guilford