IV. Theil. Sicbcnzigster Brief.
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damit zu verbinde» Pfleget, und verstehet darunter jede Folgevon Veränderungen, die zusammen ein Ganzes ausmachen. Denndaß die Erklärung, welche Balteur von der Handlung giebt,daß sie nehmlich eine Unternehmung seyn müsse, die mit Wahllind Absicht geschieht, bey der Fabel nicht Statt finde, zeiget erumständlich, indem die allerwenigsten Acsopischcn Fabeln in diesemVerstände Handlung haben. Darreux, wie der Verfasser sehr wahr-scheinlich zeiget, hat seine Erklärung nur von einem einzigen, in seinerArt zwar sehr vollkommenen, deswegen aber doch zu keinem allge-meinen Muster tauglichen Exempel abstrahirct, und überhaupt dieHandlung der Acsopischcn Fabel mit der Handlung der Epopcc unddes Drama viel zu sehr verwirrt. „Die Handlung der beyden letz-„rern, sagt er, muß :c. ff. Nand V, S. 379^ damit erreichet zc. DerGrund hiervon liegt in den Leidenschaften welche jene erregen sol-len, und auf deren Erregung diese ganz und gar keinen Anspruchmacht. — Diese und verschiedene andere Anmerkungen nimmt derVerfasser nunmehr zusammen, und sagt: „In der Fabel wird„nicht eine jede'Mayrheit, sondern ein allaemcincr moralischer Latz,/,nicht unter die allgemeine Handlung, sondern auf einen eiiijcln„Fall, nicht versteckt oder verkleidet, sondern so zurückgeführet, daß„ich, nicht blos einige Aehnlichkcit mit dem moralischen Saye„in ihm entdecke, sondern diesen ganz anschauend darin» erkenne." —Und das ist das Wesen der Fabel? Noch nicht völlig. Noch feh-let ein wichtiger Punkt, von welchem die Kunstrichter bloß eindunkles Gefühl gehabt zu haben scheinen; dieser nehmlich: dereinzelne Fall, aus welchem die Fabel bestehet, muß als wirr'liclivorgestellet werden. Begnügen wir uns an der Möglichkeit dessel-ben, so ist es ein Beyspiel, eine Parabel.
Der Beschluß künftig.
IX. Den 29. November. 1769.
Beschluß dcs siebcnzl'gstcn Briefes.
Nachdem der Verfasser diesen wichtigen Unterschied an eini-gen Beyspielen gezeigt, läßt er sich auf die psychologische Ur-sache ein, warum sich das Ercmpcl der praktischen Sittcnlchrc,wie man die Fabel nennen kann, nicht mit der blossen Mög-lichkeit begnüge, an welcher sich die Ercmpcl andcrcr Wissen-